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Cyber Resilience Act: Deutsche Hersteller unter Zeitdruck

Eine Befragung offenbart den Handlungsdruck: 69% müssen ihr Produktportfolio technisch überarbeiten. Einem Drittel fehlt das notwendige Personal. Bei der Partnersuche setzen 89% auf einen EU-Standort.

BildApril 2026 – Nur 15 Prozent der deutschen Industrieunternehmen sind vollständig auf den EU Cyber Resilience Act (CRA) vorbereitet, der ab Dezember 2027 verbindlich gilt. Das zeigt eine von Trade Estonia beauftragte Befragung unter 200 Entscheidungsträgern aus Fertigung, Maschinenbau und Industrietechnik. 62 Prozent arbeiten noch an der Umsetzung, fast ein Fünftel haben nicht einmal begonnen. Ab Dezember 2027 müssen Hersteller vernetzter Produkte nachweisbare Cybersicherheit über den gesamten Produktlebenszyklus garantieren – andernfalls droht der Verlust des EU-Marktzugangs. Betroffen sind industrielle Steuerungen, IoT-Geräte, vernetzte Maschinen und alle Produkte mit digitalen Elementen.

Strukturelles Problem: Bis zu drei Viertel des Portfolios ist betroffen
Für die Mehrheit der befragten Unternehmen geht es nicht um Einzelfälle, sondern um strukturelle Anpassungen. 69 Prozent geben an, dass ein erheblicher Teil oder sogar die überwiegende Mehrheit ihres aktuellen Produktportfolios technisch überarbeitet werden muss, um CRA-Konformität zu erreichen. Das betrifft nicht nur neue Entwicklungen, sondern vor allem bereits im Markt befindliche, vernetzte Produkte.

“Der Cyber Resilience Act verlagert die Verantwortung für Cybersicherheit von der IT-Abteilung in die Produktstrategie”, sagt Leana Kammertöns, Business Development Manager bei Enterprise Estonia. “Für Hersteller bedeutet das: Cybersicherheit wird zu einem Bestandteil industrieller Wettbewerbsfähigkeit – und damit zu einem entscheidenden Faktor für aktuelle Entscheidungen über Produkte, Partner und Entwicklungsprozesse.”

Fachkräftemangel ist größtes Hindernis – externe Unterstützung wird zur Notwendigkeit
Das größte Umsetzungshindernis ist für ein Drittel der Unternehmen der fehlende Zugang zu qualifizierten internen Fachkräften – besonders ausgeprägt bei kleineren Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitern (37 Prozent). Die Komplexität der Lieferketten – insbesondere bei Produkten mit Drittanbieter-Komponenten – wird von 27 Prozent als größte konkrete CRA-Herausforderung genannt. Die Absicherung bereits installierter Produktbestände (21 Prozent) und hohe Kosten für potenzielle Hardware-Redesigns (21 Prozent) vervollständigen das Bild.

“Viele Hersteller stehen vor der Aufgabe, bestehende Produkte abzusichern, ohne die laufende Produktion zu unterbrechen. Das ist, als würde man ein Schiff auf See umbauen – man muss es seetüchtig halten, während man es modernisiert”, sagt Marco Spielmann, CEO von Proekspert. “Wenn dann intern die Spezialisten fehlen und gleichzeitig große Teile des Portfolios betroffen sind, wird externe Unterstützung für viele zur pragmatischsten Option.”

Trend zur digitalen Souveränität: EU-Standort wird entscheidend
Vor diesem Hintergrund gewinnt die EU-Ansässigkeit bei der Partnerwahl deutlich an Gewicht: 89 Prozent der befragten Unternehmen bevorzugen einen Partner mit EU-Standort. Im Kontext dieses Trends wird deutlich, dass die Umsetzung des CRA in vielen Unternehmen kein isoliertes Thema ist, sondern mehrere Bausteine parallel betrifft – von IoT-Konnektivität über Transparenz in Produktion und Logistik bis hin zu Fragen europäischer Lieferketten.

“Die Ergebnisse bestätigen einen Trend, den wir in Gesprächen mit deutschen Industrieunternehmen zunehmend beobachten: Für deutsche Hersteller zählt nicht nur, ob ein Partner eine technische Lösung anbieten kann, sondern ob er regulatorische Anforderungen, industrielle Prozesse und langfristige Produktsicherheit zusammendenkt”, sagt Leana Kammertöns. “Genau an dieser Schnittstelle bringen auch estnische Technologie- und Engineering-Unternehmen Erfahrung ein: mit digitaler Umsetzungskompetenz, kurzen Entscheidungswegen und der Fähigkeit, sichere Systemarchitekturen in bestehende Produktlinien, Update-Prozesse und Dokumentationsstrukturen zu integrieren.”

Über die Befragung
Die Befragung “Digitalization and Cyber Resilience Act: Survey in the German manufacturing sector” wurde im Auftrag von Trade Estonia durchgeführt im Rahmen der diesjährigen Hannover Messe. Befragt wurden 200 Entscheidungsträger aus den Bereichen Fertigung, Maschinenbau, Elektronik und Industrietechnik. Die Erhebung erfolgte online durch SPLENDID RESEARCH GmbH zwischen dem 16. und 20. April 2026.

Verantwortlicher für diese Pressemitteilung:

Enterprise Estonia
Frau Janika Prott
Sepise 7
11415 Tallin
Estland

fon ..: 0714149840
web ..: https://eis.ee/en/
email : press@eis.ee

Über Trade Estonia
Trade Estonia fördert den internationalen Handel und unterstützt estnische Unternehmen beim Export ihrer Produkte und Dienstleistungen. Estland versteht sich als digitale Nation und entwickelt kontinuierlich innovative Ansätze, um die digitale Transformation in Schlüsselindustrien voranzutreiben. Der estnische Gemeinschaftsstand auf der Hannover Messe 2026 zeigt Lösungen entlang zentraler industrieller Herausforderungen. Teilnehmende Unternehmen sind: Eliko, FORECR, Inission, Proekspert, Radius Machining, TB Works, Thorsteel, Valdek und 1oT

Dieses Projekt wird durch die Europäische Union – NextGenerationEU – gefördert und in Zusammenarbeit mit dem Außenministerium der Republik Estland durchgeführt.

Pressekontakt:

Sympra GmbH (GRPA)
Herr Stefan Justl
Stafflenbergstraße 32
70184 Stuttgart

fon ..: 0711947670
email : estonia@sympra.de

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