F5-Studie: Sensible Branchen und deutsche Unternehmen schlecht vor Quantenangriffen geschützt
Weltweiter Durchschnitt für sichere Websites bei 54 %, Deutschland und kritische Infrastrukturen bei unter 40 %, so eine Studie von F5 Labs
Deutsche Unternehmen sowie Branchen mit kritischen Infrastrukturen sind der Gefahr durch Quantencomputer, die herkömmliche Public-Key-Verschlüsselungen knacken können, am stärksten ausgesetzt. Von den eine Million meistbesuchten Websites weltweit setzen 54 % bereits Post-Quantum-Kryptografie (PQC) ein. In Deutschland liegt der Anteil bei lediglich 36 %. Überraschend ist, dass weltweit gerade sensible Branchen wie Öl- und Gasindustrie (34,5 %), Telekommunikation (35,2 %), öffentliche Hand (35,4 %) und Versorgung (39,4 %) ebenfalls deutlich unter dem Durchschnitt liegen. Das zeigt die aktuelle Studie „2026 State of Post-Quantum Cryptography (PQC)“ (https://www.f5.com/labs/articles/2026-state-of-pqc-on-the-web) von F5 Labs.
Neben Deutschland hinken auch die anderen großen EU-Staaten beim Schutz vor quantenbasierten Angriffen deutlich hinterher. Denn bei der Einführung von PQC werden sie häufig durch eine Kombination aus Präferenz für lokale Rechenzentren, europäische Cloud-Anbieter, die PQC am Edge nicht standardmäßig aktiviert haben, und vorsichtigen Empfehlungen von Cybersicherheitsbehörden zu Post-Quantum-Algorithmen gebremst. Dabei liegen Dänemark (48,79 %), die Niederlande (46,44 %) und Spanien (45,23 %) vor Italien (39,74 %), Frankreich (39,19 %) und dem Schlusslicht Deutschland (35,78 %).
„Das gefährliche Paradoxon der Quantensicherheit besteht darin, dass die Branchen mit kritischen Infrastrukturen bei der PQC-Bereitschaft zurückliegen“, sagt David Warburton, Direktor von F5 Labs. „Viele Organisationen sind hier durch eine Mischung aus Anforderungen an die Datenhoheit, Überwachungs- und Datenerfassungssystemen sowie langwierigen Beschaffungszyklen eingeschränkt. Gerade die Kontrolle, die sie über ihre Daten und ihren Lieferantenstamm ausüben, schränkt ihre Agilität ein und setzt sie der Bedrohung durch Quantencomputer aus, die herkömmliche Verschlüsselungsmethoden überwinden kann.“
Versteckte Gefahren
Insgesamt hat die Einführung von PQC aber deutlich zugenommen. Auf vergleichbarer Analyse-Basis verdoppelte sie sich praktisch seit 2025. Doch hinter dieser Gesamtzahl verbergen sich Schwachstellen. Branchen wie Verbraucherdienste (58,8 %), Technologie (56,1 %) und Konsumgüter (49,8 %) weisen relativ hohe Akzeptanzraten auf. Denn sie leiten eingehenden Datenverkehr über Hyperscale-Edge-Plattformen wie Fastly, AWS CloudFront und insbesondere Cloudflare, die standardmäßig hybriden PQC-Schlüsselaustausch ermöglichen. Entfernt man die von Cloudflare gehosteten Domains aus dem Datensatz, sinkt die weltweite PQC-Einführungsrate auf lediglich 22 %.
Diese Plattformen werden zudem häufiger von kleineren Organisationen genutzt. So erreicht die PQC-Einführung in der mittleren Ranggruppe der Top-1-Million-Websites ihren Höhepunkt (80 % bei den Websites auf den Plätzen 80.000 bis 220.000), während die Spitzenreiter einen geringeren Bereitschaftsgrad aufweisen.
Eine weitere große Schwachstelle sind Altsysteme: Jede zehnte Website, die auf den Scan von F5 Labs reagiert haben, bieten keinerlei Unterstützung für TLS 1.3 (10,51 %). Dies schließt sie automatisch von der Etablierung PQC-geschützter Verbindungen aus und erfordert eine erhebliche Umstrukturierung für die Quantenbereitschaft.
„Die PQC-Unterstützung geschieht meist nicht durch proaktive Entwicklung, sondern durch passives Vertrauen auf eine Handvoll Edge-Plattformen“, fügt Warburton hinzu. „Dies schafft die Illusion eines Quantenschutzes, sichert jedoch nur die Eingangstür, während weite Teile der Infrastruktur und Zugriffspunkte ungeschützt bleiben. So sind externe Seiten und Checkout-Abläufe oft gut geschützt, doch interne Anwendungsebenen, private API-Ökosysteme und Unternehmensdatenbanken aufgrund veralteter kryptografischer Infrastrukturen anfällig für künftige Quantenentschlüsselung.“
Regionale Unterschiede: ein gemischtes Bild
Die PQC-Bereitschaft variiert nach Region ebenso stark wie nach Branche. Dabei haben die Wahl der Cloud-Architektur, lokale Hosting-Ökosysteme und Vorschriften zur digitalen Souveränität einen erheblichen Einfluss.
Vorreiter ist die Ukraine, deren Organisationen die höchste PQC-Rate (65,12 %) aufweisen. Dies ist das Ergebnis einer umfassenden Migration der öffentlichen Infrastruktur auf US-basierte Plattformen. So soll die operative Widerstandsfähigkeit angesichts hybrider Kriegsführung mit einer erheblichen Cyber-Dimension gestärkt werden.
Auch die „Five Eyes“-Staaten (USA, Großbritannien, Kanada, Australien, Neuseeland) schneiden gut ab: Australien (63,11 %), die USA (62,05 %) und Großbritannien (60,95 %) profitieren ebenfalls von der US-Infrastruktur sowie den Zeitplänen für die PQC-Migration, die von den nationalen Cybersicherheitsbehörden festgelegt und innerhalb der „Five Eyes“-Staaten aufeinander abgestimmt wurden.
Die Abhängigkeit von lokaler Infrastruktur und inländischen Hosting-Anbietern hat nicht nur in Europa, sondern auch in Taiwan (38,26 %), Japan (29,69 %) und Südkorea (29,08 %) zu geringer PQC-Bereitschaft geführt. Am unteren Ende der Skala stehen Russland (16,09 %) und China (13,03 %), die ebenfalls meist auf inländische Anbieter zurückgreifen.
„Durch den Einsatz der F5 Application Delivery and Security Platform (ADSP) in Verbindung mit dem BIG-IP SSL Orchestrator können Unternehmen sofort einen hybriden postquantenfähigen Schlüsselaustausch zum öffentlichen Internet hin aktivieren und gleichzeitig die klassische Kryptografie für interne Alt-Anwendungen beibehalten“, empfiehlt Warburton. „So lässt sich sofort postquantenfähiger Schutz für Verbindungen nach außen gewährleisten.“
Über F5
F5, Inc. (NASDAQ: FFIV) ist das weltweit führende Unternehmen, das jede Anwendung bereitstellt und absichert. Gestützt auf drei Jahrzehnte Erfahrung hat F5 die branchenweit führende Plattform – die F5 Application Delivery and Security Platform (ADSP) – entwickelt, um jede App und jede API überall bereitzustellen und zu sichern: vor Ort, in der Cloud, am Netzwerkrand und in hybriden Multi-Cloud-Umgebungen. F5 hat sich der Innovation und der Zusammenarbeit mit den größten und fortschrittlichsten Unternehmen der Welt verschrieben, um schnelle, verfügbare und sichere digitale Erlebnisse zu ermöglichen. Gemeinsam helfen wir uns gegenseitig, erfolgreich zu sein und eine bessere digitale Welt zum Leben zu erwecken. Weitere Informationen finden Sie unter f5.com.
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