WIRTSCHAFT

Female Leadership ohne Firlefanz

Ein Job, der sich dem Leben anpasst und nicht umgekehrt. Für die meisten bleibt das eine Traumvorstellung. Doch mitten im Bergischen Land, im kleinen Ründeroth, wird dieser Traum für einige tatsächlich wahr.

Die Manufaktur Kater Kasimir wird von rund 30 Frauen getragen. Bis auf einen Mann ist das gesamte Team weiblich – Gerald ist praktisch der Hahn im Korb. Und das ganz ohne großes Aufheben. Nicht aufgrund einer Quote, sondern weil sich Struktur und Arbeitsweise der Manufaktur so entwickelt haben, dass sie zu den Lebensrealitäten vieler Frauen passen.

Viele Mitarbeiterinnen sind Mütter. Einige leben auf dem Land, andere in Kleinstädten. Was sie verbindet, ist der Wunsch nach verlässlicher Arbeit, die Raum für Familie, Care-Arbeit und Alltag lässt. Und das, ohne prekär zu sein oder an Professionalität zu verlieren. Genau hier setzt Kater Kasimir an und macht diesen Ansatz möglich.

Denn hier gibt es keine zentrale Fabrik. Stattdessen wird in Heimarbeit oder in der kleinen lokalen Manufaktur gefertigt – dezentral und ortsunabhängig. Die Arbeitszeiten sind flexibel, die Prozesse klar definiert, die Qualitätsstandards verbindlich. So entsteht ein Arbeitsumfeld, das Verlässlichkeit und Freiheit miteinander verbindet.

Female Leadership als Strukturentscheidung
Die kulturelle und organisatorische Verantwortung liegt bei Mitgründerin Denise. Gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner Gerald verantwortet sie unter anderem Produktentwicklung, Kommunikation und das People-Thema und damit auch die Frage, wie Arbeit im Unternehmen gedacht wird. Ihr Anspruch: Prozesse sollen nicht nur funktionieren, sondern menschlich bleiben.

Dabei geht es vor allem um konkrete Entscheidungen: Prozesse transparent halten, Zeitvorgaben realistisch setzen und eine verlässliche Bezahlung. So entsteht ein Team, das Verantwortung übernimmt und Qualität mitträgt. Für ein Unternehmen, dessen Produkte vollständig von Hand gefertigt werden, ist das ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.

Handarbeit und Skalierung als Widerspruch?
Kater Kasimir zeigt, dass Handarbeit und Skalierung in der Start-Up-Welt kein Widerspruch sein müssen, sondern dann entstehen, wenn Prozesse fehlen. Die Lösung? Ein standardisiertes Baukastensystem: Jedes Produkt folgt klar definierten Arbeitsschritten mit festen Schnittmustern, Materialvorgaben, Dokumentationen und Videoanleitungen.

So kann ein Produkt an unterschiedlichen Orten gefertigt werden und sieht am Ende dennoch gleich aus, ohne Qualität dem Zufall zu überlassen. Das ermöglicht Wachstum, ohne die Produktion auszulagern oder zu automatisieren.

Für Gründerinnen und Gründer ist dieses Modell besonders spannend, weil es zeigt: Skalierung ist nicht zwangsläufig eine Frage von Maschinen oder Masse, sondern von Struktur und Klarheit.

Warum das weibliche Team kein Zufall ist
Dass heute fast ausschließlich Frauen für Kater Kasimir tätig sind, war nicht von Anfang an ein gesetztes Ziel. Mehr ist es das Ergebnis eines Modells, das dort ansetzt, wo viele Frauen an Grenzen stoßen. Denn der klassische Arbeitsmarkt ist geprägt von starren Zeiten, fehlender Flexibilität und geringer Wertschätzung für handwerkliche Arbeit.

Bei Kater Kasimir ist das anders. Hier werden Fähigkeiten sichtbar, die in anderen Kontexten oft übersehen werden. Präzision, Sorgfalt, Materialverständnis und Verantwortungsbewusstsein – für ein handwerkliches Premiumprodukt unverzichtbar.

Werte statt Buzzwords
Der Begriff Female-Led Business wird häufig politisch oder sozial aufgeladen. Bei Kater Kasimir geht es jedoch nicht um Buzzwords, sondern darum, dass es funktioniert. Ohne großes Aufsehen entwickelt sich hier daher vor allem eines: ein funktionierendes Geschäftsmodell.

Monatlich verlassen rund 10.000 Produkte die Manufaktur, geliefert wird in über 25 europäische Länder. Die Nachfrage wächst stetig und das in erster Linie wegen der konsequenten Haltung zu Qualität, Produktion und Arbeitsorganisation.

Billigmaterialien, eine ausgelagerte Produktion oder Wegwerfprodukte sind keine Option. Kater Kasimir setzt auf langlebige Produkte, transparente Herstellung und ein Team, das diese Werte mitträgt.

Ein Modell mit Signalwirkung
Was wäre also, wenn Arbeit sich dem Leben anpasst und nicht umgekehrt? Wenn Wachstum keine Lautstärke braucht, sondern eine klare Struktur?

Kater Kasimir zeigt, dass der Gedanke von Vereinbarkeit von Beruf und Freiheit keine Wunschvorstellung bleiben muss, sondern bereits funktioniert. Dass Female Leadership nicht laut sein muss, um wirksam zu sein. Dass wirtschaftlicher Erfolg und soziale Verantwortung sich nicht ausschließen. Und dass gerade jenseits urbaner Start-Up-Hotspots Modelle entstehen, die Antworten auf zentrale Fragen der Arbeitswelt geben. Und das ziemlich überzeugend.

2017 startete Kater Kasimir zunächst mit einem Handel für Teekräuter. Schon bald stieg allerdings die Nachfrage nach Katzenminze, sodass das Unternehmen entstand, das es heute ist: eine Manufaktur für nachhaltiges Katzenspielzeug. Mitten in Ründeroth im Bergischen Land entwickeln die Gründer Gerald und Denise gemeinsam mit ihren rund dreißig Mitarbeiterinnen handgemachte Produkte aus Naturmaterialien, wie Schurwolle, Holz oder Kork. Von hier aus machen sich monatlich rund 10.000 Produkte auf den Weg in über 25 Länder in ganz Europa. Die Produktion findet sowohl in der Manufaktur als auch dezentral in Heimarbeit statt. Das bietet den Mitarbeiterinnen die Möglichkeit, Familie und Beruf zu vereinen. Dank fester Schnittmuster, Materialvorgaben und Videoanleitungen bleiben die Katzenspielzeuge trotzdem einheitlich und vor allem qualitativ hochwertig.

Kontakt
InventMe GmbH
Teresa Schmidt
Rauscheider Straße 1
51766 Engelskirchen
015165510742
http://www.kasimir.shop

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