Garda Trentino abseits des Gardasees: Drei Herbstwanderungen im Comano

Garda Trentino ist weit mehr als der Gardasee. Rund um Ponte Arche, Stenico und das Bleggio prägen kleine Dörfer, ausgedehnte Laubwälder und tiefe Schluchten das Bild.
Walnussbäume, kleine Bergdörfer, tiefe Schluchten und ein außergewöhnlicher Felsbogen: Nur wenige Kilometer nördlich des Gardasees zeigt sich das Garda Trentino von einer anderen Seite. Rund um Ponte Arche, Stenico und die Hochebene des Bleggio führen abwechslungsreiche Wanderungen durch eine Landschaft, die besonders im Herbst ihren eigenen Reiz entfaltet.
Das Garda Trentino gehört zu den bekanntesten Outdoorregionen Norditaliens. Wanderwege, Klettersteige und Mountainbike-Touren rund um Riva del Garda, Arco und Torbole ziehen jedes Jahr zahlreiche Aktivurlauber an. Doch schon wenige Kilometer nördlich des Gardasees verändert sich die Landschaft deutlich.
Zwischen den Brenta-Dolomiten und dem Sarcatal liegt das Comano. Die Region rund um Ponte Arche, Stenico und die Dörfer des Bleggio ist geprägt von ausgedehnten Laubwäldern, landwirtschaftlich genutzten Hochebenen und tief eingeschnittenen Flusstälern. Das Gebiet gehört zur UNESCO-Biosphäre Alpi Ledrensi e Judicaria, in der Natur- und Kulturlandschaft eng miteinander verbunden sind.
Gerade im Herbst lohnt sich ein Abstecher in diese weniger bekannte Gegend. Während am Gardasee häufig noch milde Temperaturen herrschen, verfärben sich in den höheren Lagen bereits die Laubwälder. Die Wege führen durch kleine Ortschaften, vorbei an alten Bauernhäusern und durch Wälder, in denen sich die Landschaft von Woche zu Woche verändert.
Drei Wanderungen zeigen besonders gut, wie abwechslungsreich das Comano ist.
Sentiero della Noce: Auf dem Walnussweg durch das Bleggio
Eine der gemütlicheren Wanderungen führt durch die Kulturlandschaft des Bleggio. Der Sentiero della Noce beginnt in Santa Croce und verbindet auf rund 9,5 Kilometern mehrere kleine Dörfer miteinander.
Unterwegs geht es vorbei an alten Häusern, Wiesen, Obstgärten und zahlreichen Walnussbäumen. Die Walnuss besitzt in dieser Gegend eine lange Tradition. Besonders bekannt ist die regionale Sorte Noce Bleggiana, die als Slow-Food-Presidio geschützt wird. Informationstafeln entlang des Weges vermitteln Wissenswertes über ihren Anbau und ihre Bedeutung für die Region.
Anders als bei vielen klassischen Bergwanderungen steht hier kein Gipfel im Mittelpunkt. Stattdessen führt die Runde mitten durch eine über Generationen gewachsene Kulturlandschaft. Besonders während der Walnussernte im Herbst lässt sich das ländlich geprägte Comano auf diesem Weg gut kennenlernen.
Mit rund 260 Höhenmetern und einer Gehzeit von etwa zwei Stunden eignet sich die leichte Wanderung auch für einen entspannten Nachmittag.
Sentiero dell’Acqua: Entlang der Sarca durch die Schlucht
Eine vollkommen andere Landschaft erwartet Wanderer auf dem Sentiero dell’Acqua. Die rund 11,7 Kilometer lange Tour beginnt in Ponte Arche und führt durch die Umgebung von Comano Terme und entlang der Sarca.
Der Fluss hat sich stellenweise tief in den Fels eingegraben und prägt mit der Forra del Limarò eine eindrucksvolle Schluchtenlandschaft. Während die Sarca auf manchen Abschnitten ruhig durch das Tal fließt, zwängt sie sich andernorts durch enge Felspassagen.
Der Wanderweg verläuft abwechselnd direkt am Wasser und etwas oberhalb durch den Wald. Zu den besonderen Wegpunkten gehört eine Hängebrücke, von der sich ein eindrucksvoller Blick in die Schlucht eröffnet.
Mit rund 440 Höhenmetern und etwa drei Stunden Gehzeit ist die mittelschwere Tour deutlich anspruchsvoller als der Walnussweg. Auf schmalen Abschnitten ist Trittsicherheit erforderlich. Besonders nach Regen können feuchte Steine und herabgefallenes Laub die Wege rutschig machen.
Der Sentiero dell’Acqua zeigt eindrucksvoll, wie schnell sich die Landschaft im Comano verändern kann. Nur wenige Kilometer von den offenen Wiesen des Bleggio entfernt führt der Weg durch eine wilde Flusslandschaft.
Eine weitere Besonderheit der Region ist die Thermalquelle von Comano. Ihr Wasser besitzt eine natürliche Temperatur von rund 27 Grad Celsius und wird seit Langem für therapeutische Anwendungen genutzt. Rund um die Thermen erstreckt sich ein weitläufiger Kurpark, der sich ebenfalls für einen Spaziergang eignet.
Arca di Fraporte: Ein gewaltiger Felsbogen im Wald
Oberhalb von Stenico wartet mit der Arca di Fraporte eines der außergewöhnlichsten Wanderziele der Region. Der natürliche Felsbogen liegt versteckt in einem ausgedehnten Waldgebiet und ist erst gegen Ende des Aufstiegs zu sehen.
Schon der Ausgangspunkt bietet einen Blick auf das Castel Stenico, das über dem Ort thront. Anschließend führt der Wanderweg zunächst auf breiteren Wegen und später über schmale, teilweise steilere Pfade durch den Laubwald bergauf.
Besonders im Herbst sorgen die verfärbten Bäume für eine abwechslungsreiche Kulisse. Das eigentliche Ziel erscheint schließlich unvermittelt zwischen den Felsen: ein gewaltiger natürlicher Steinbogen, dessen Dimensionen sich erst unmittelbar darunter vollständig erschließen.
Die Wanderung ist mit rund 5,9 Kilometern zwar vergleichsweise kurz, verlangt mit etwa 530 Höhenmetern aber durchaus Kondition. Für die mittelschwere Tour sollten ungefähr drei Stunden eingeplant werden.
Wer anschließend noch Zeit hat, kann die Wanderung mit weiteren Sehenswürdigkeiten rund um Stenico verbinden.
Wasserfall, Waldkunst und mittelalterliche Burg
Nur wenige Minuten von Stenico entfernt liegt der Wasserfall Rio Bianco. Besonders nach niederschlagsreichen Tagen bietet er ein eindrucksvolles Naturschauspiel. Über mehrere Felsstufen stürzt das Wasser talwärts und lässt sich bei einem kurzen Spaziergang entdecken.
In unmittelbarer Umgebung befindet sich außerdem der Künstlerweg BoscoArteStenico. Entlang des Waldweges stehen verschiedene Skulpturen und Installationen, die überwiegend aus natürlichen Materialien gefertigt wurden. Die Kunstwerke fügen sich in die Umgebung ein und machen den Spaziergang auch für Familien interessant.
Ein weiteres Ausflugsziel ist das Castel Stenico. Die mittelalterliche Burg erhebt sich oberhalb des Ortes und beherbergt heute ein Museum mit historischen Räumen und Ausstellungsstücken. Ein Besuch bietet interessante Einblicke in die Geschichte der Region.
Regionale Spezialitäten und kleine Ortschaften
Neben der Landschaft gehört auch die regionale Küche zu einem Besuch im Comano. In den Dörfern rund um Ponte Arche und das Bleggio finden sich Gasthäuser und Restaurants, in denen traditionelle Gerichte aus dem Trentino auf der Speisekarte stehen.
Ein Beispiel ist die Osteria Fiore in Poia, die regionale Spezialitäten mit einer modernen Küche verbindet. Auch in Stenico und Ponte Arche gibt es Möglichkeiten, einen Wandertag bei einer Einkehr ausklingen zu lassen.
Gerade die Verbindung aus Wandern, kleinen Ortschaften und regionaler Kulinarik macht den Charakter des Comano aus. Die Wege führen nicht ausschließlich durch unberührte Natur, sondern immer wieder mitten durch die gewachsene Kulturlandschaft.
Drei Wandertage im Hinterland des Gardasees
Die drei beschriebenen Wanderungen lassen sich gut während eines verlängerten Wochenendes miteinander verbinden. Ponte Arche bietet sich als zentraler Ausgangspunkt an. Von hier aus sind sowohl die Wege entlang der Sarca als auch die Wandergebiete rund um Stenico und das Bleggio gut erreichbar.
Während der Sentiero della Noce eine leichte Wanderung durch die Dörfer und Felder bietet, verlangt der Sentiero dell’Acqua auf seinen schmalen Wegen bereits etwas mehr Trittsicherheit. Die Wanderung zur Arca di Fraporte ist vor allem durch ihre Höhenmeter und den teilweise steileren Aufstieg geprägt.
Im Herbst sollten Wanderer ausreichend Zeit einplanen. In den bewaldeten Schluchten und an den Nordhängen erreicht die Sonne manche Wegabschnitte erst spät und verschwindet am Nachmittag entsprechend früh. Nach Regen können die Wege durch feuchtes Laub und glatte Steine rutschig sein.
Das Comano ist keine Konkurrenz zu den bekannten Wanderzielen unmittelbar am Gardasee, sondern eine interessante Ergänzung. Wer das Garda Trentino bereits kennt und abseits der stark frequentierten Orte unterwegs sein möchte, findet hier eine abwechslungsreiche Mischung aus Natur, Kultur und Wandermöglichkeiten.
Besonders im Oktober, wenn sich die Laubwälder verfärben und die Temperaturen für längere Wanderungen häufig angenehm sind, lohnt sich ein Besuch in dieser ruhigeren Region zwischen Gardasee und Brenta-Dolomiten.
Über den Autor
Björn Ahrndt ist Outdoor-Autor, Fotograf und Gründer des Bergsportblogs Bergparadiese.de. Seit vielen Jahren berichtet er über Wanderungen, Bergtouren, Klettersteige und Mountainbike-Erlebnisse im Alpenraum. Seine Erfahrungen veröffentlicht er auf seinem Blog, in Büchern und als Gastautor in Zeitschriften.
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