Jenseits der Sehenswürdigkeiten: Verstecktes Kulturerbe in Yedikule und Samatya entdecken

Eine Reise nach Istanbul beginnt meist bei den weltberühmten Wahrzeichen der Stadt.
Diese zeitlosen Ikonen prägen die Skyline und stehen auf nahezu jeder Reiseliste. Doch die Metropole, die über Jahrtausende hinweg von verschiedenen Zivilisationen geprägt wurde, hat weit mehr zu bieten als ihre bekannten Monumente. Mit ihrer vielschichtigen Geschichte erschließt sich Istanbul vor allem über seine unterschiedlichen Viertel, die jeweils eine eigene Atmosphäre und immer neue Entdeckungen bereithalten. Yedikule und Samatya entlang der historischen Stadtmauern gehören zu den besonders reizvollen, zugleich jedoch noch immer angenehm ruhigen Vierteln der Stadt.
Einst lebten hier Kaiser, später Menschen verschiedener Glaubensgemeinschaften. Heute spiegeln Yedikule und Samatya eine lebendige und tief verwurzelte lokale Kultur wider. Wer durch die kosmopolitischen Straßen schlendert, begegnet Spuren vergangener Zivilisationen ebenso wie traditionellen Eckläden, historischen Herrenhäusern und klassischen Kaffeehäusern, den sogenannten Kahvehane, in denen Gespräche bis heute einen festen Platz im Alltag haben. Gleichzeitig pflegen die Viertel eine reiche Meyhane-Kultur, also die Tradition der türkischen Tavernen, deren kulinarisches Erbe über Generationen weitergegeben wurde. Damit sind sie ideale Orte, um diese besondere Ess- und Genusskultur kennenzulernen.
Sieben Türme und ein zeitloses Erbe
Die Festung Yedikule, auch als Festung der Sieben Türme bekannt, ist ein idealer Ausgangspunkt für einen Spaziergang entlang der historischen Stadtmauern von Istanbul. Diese erstrecken sich über weite Teile der kulturell besonders bedeutenden historischen Halbinsel. Die Anlage geht auf das 5. Jahrhundert zurück und wurde während des Oströmischen Reiches errichtet, um die Stadt vor Angriffen zu schützen. In der osmanischen Zeit wurde die Anlage mit weiteren Mauern und Toren erweitert. Unter den mehreren Toren sticht vor allem das berühmte Goldene Tor hervor, das einst errichtet wurde, um siegreich zurückkehrende Kaiser zu empfangen. Innerhalb der Festung können Besucher auch die sieben Türme erkunden, die dem Bauwerk seinen Namen geben. Dazu gehören unter anderem das Verlies, die Waffenkammer und die Schatzkammer. Über die Verbindungswege zwischen den Türmen lassen sich zudem eindrucksvolle Ausblicke auf das Marmarameer und die historische Halbinsel genießen.
Nach dem Besuch der Festung führt der Weg weiter in Richtung Samatya. Unterwegs begegnet man mehreren architektonischen Highlights. Dazu gehört die griechisch orthodoxe Kirche der Heiligen Konstantin und Helena, die vor allem durch ihren eleganten Glockenturm auffällt. Unweit davon, bereits am Rand von Samatya, befinden sich die Überreste des Studios-Klosters, das später in die Imrahor-Moschee umgewandelt wurde. Die Anlage vermittelt einen eindrucksvollen Eindruck vom vielschichtigen byzantinischen und osmanischen Erbe der Region.
Von heiligen Stätten zu gemeinsamen Tischen: der Geist von Samatya
In Samatya angekommen, empfängt Besucher der historische Platz des Viertels, der auch aus beliebten türkischen Fernsehserien bekannt ist, mit einer besonders einladenden Atmosphäre. Beim Spaziergang durch die Straßen entdeckt man Antiquariate, Cafés, Restaurants und Konditoreien neben historischen Holzhäusern, die bis heute den ursprünglichen Charakter des Viertels bewahren. Einige dieser Gebäude wurden liebevoll restauriert und zu Cafés umgestaltet. Häufig werden sie von den allgegenwärtigen Straßenkatzen begleitet, die zum vertrauten Bild der Nachbarschaft gehören. In einem der Cafés lässt sich hervorragend ein traditioneller türkischer Kaffee genießen.
In der Nähe des historischen Bahnhofs an der Grenze zwischen Yedikule und Samatya befindet sich die sogenannte Eisenbahnerkirche, auch Samatya-Kirche genannt. Heute wird sie von der syrisch-orthodoxen Gemeinde genutzt. Die Kirche steht in Verbindung mit den Eisenbahnarbeitern der späten osmanischen Zeit und erinnert an die lange Beziehung des Viertels zur Eisenbahngeschichte der Stadt. Darüber hinaus befinden sich in Samatya weitere bedeutende religiöse Bauwerke, darunter die armenische Surp-Kevork-Kirche, eine der ältesten armenischen Kirchen in Istanbul, sowie die Kirche des Heiligen Memas. Beide stehen exemplarisch für den multikulturellen Charakter des Viertels.
Einst war Samatya ein kleines Fischerdorf an der Küste. Heute ist das Viertel auch für seine kulinarische Szene bekannt. In zahlreichen Meyhanes werden frischer Fisch und türkischer Raki serviert. Dazu kommen vielfältige Meze-Spezialitäten wie Topik, eine vegetarische Spezialität aus einer Kichererbsenpaste mit karamellisierten Zwiebeln, häufig ergänzt mit Kartoffeln oder Mehl, sowie Börek mit Fischfüllung.
Zusätzliche Entdeckungen: Balikli Rum Hospital und Aya-Haralambos-Kirche
In Istanbul gibt es historische Krankenhäuser, die einst als wichtige Orte der Heilung entstanden und bis heute aktiv genutzt werden. Nach einem Tag voller Kultur, Geschichte und Kulinarik in Yedikule und Samatya lohnt sich ein Besuch im Balikli Rum Hospital. Die Einrichtung nimmt einen besonderen Platz im kulturellen und sozialen Gedächtnis der Stadt ein. Noch immer werden hier Patientinnen und Patienten aus Türkiye und aus dem Ausland behandelt. Gleichzeitig gilt das Gelände als bedeutendes Kulturerbe und als lebendiges Museum.
Im Garten des Krankenhauses befindet sich die Aya-Haralambos-Kirche aus dem 18. Jahrhundert, die einst für Patienten und Personal errichtet wurde. Sie ist dem Heiligen Haralambos gewidmet, der im 2. Jahrhundert lebte und im orthodoxen Glauben als Schutzheiliger gegen Epidemien verehrt wird. Die Kirche besitzt eine starke symbolische Bedeutung als geistiger Schutz für das Krankenhaus. Sie entstand in einer Zeit, in der die Stadt von Pestepidemien geprägt war, und steht bis heute für Hoffnung und Schutz in Zeiten von Krankheiten.
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