Reschensee im Sommer: Zwischen Mountainbike-Trails, Gipfeltouren und Kitesurfen

Mountainbike-Touren, aussichtsreiche Bergwanderungen, Wassersport und historische Orte machen die Region um den Reschensee zu einem abwechslungsreichen Urlaubsziel.
Der versunkene Kirchturm von Graun ist eines der bekanntesten Fotomotive Südtirols. Doch die Ferienregion Reschensee im Oberen Vinschgau bietet weit mehr als einen kurzen Zwischenstopp. Mountainbike-Touren, aussichtsreiche Bergwanderungen, Wassersport und historische Orte machen die Region zu einem abwechslungsreichen Ziel für Aktivurlauber.
Auf knapp 1.500 Metern Höhe liegt der Reschensee im Dreiländereck zwischen Italien, Österreich und der Schweiz. Eingerahmt von den Bergen des Oberen Vinschgaus ist der große Stausee vor allem für seinen aus dem Wasser ragenden Kirchturm bekannt. Doch abseits dieses Wahrzeichens eröffnet sich eine vielseitige Berglandschaft mit alten Militärwegen, hoch gelegenen Almen, aussichtsreichen Gipfeln und ruhigen Seitentälern.
Während Mountainbiker auf Schotterwegen und Enduro-Trails unterwegs sind, führen Wanderwege vom Seeufer bis in hochalpines Gelände. Hinzu kommt der häufig auftretende Südwind, der den Reschensee zu einem beliebten Revier für Kitesurfer macht.
Mountainbiken zwischen drei Ländern
Rund um Reschen, Graun und St. Valentin auf der Haide finden Mountainbiker ein weitläufiges Wegenetz. Es reicht von gemütlichen Radtouren entlang des Sees bis zu anspruchsvollen Anstiegen und technischen Trailabfahrten.
Besonders bekannt sind die 3-Länder-Enduro-Trails, deren Strecken sich über Südtirol bis nach Österreich und in die Schweiz erstrecken. Rund 30 Trails unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade stehen zur Auswahl. Im Bikegebiet Schöneben-Haideralm erleichtern zwei Bergbahnen den Zugang zu den höher gelegenen Ausgangspunkten.
Wer lieber aus eigener Kraft bergauf fährt, findet mit dem Goasbergcross eine abwechslungsreiche Alternative. Die rund 19 Kilometer lange Mountainbike-Runde startet in St. Valentin und führt über die Haideralm und Brugger Alm zurück ins Tal. Auf der Strecke werden etwa 720 Höhenmeter überwunden.
Unterwegs öffnen sich immer wieder Ausblicke auf den Reschensee und den benachbarten Haidersee. Zwei kleinere Bergseen liegen ebenfalls am Weg. Breite Wirtschaftswege, längere Anstiege und abwechslungsreiche Abfahrten prägen den Charakter dieser Tour.
Deutlich gemütlicher geht es auf dem Radweg entlang des Reschensees zu. Von hier lässt sich die Radtour in Richtung Vinschgau verlängern.
Auf alten Militärwegen zum Piz Lad
Auch für Wanderer bietet die Region eine große Bandbreite. Während sich rund um den See einfache Spaziergänge und kürzere Wanderungen anbieten, führen die Wege oberhalb von Reschen und St. Valentin bis auf aussichtsreiche Gipfel.
Ein besonders lohnendes Ziel ist der 2.808 Meter hohe Piz Lad an der Grenze zwischen Südtirol und der Schweiz. Von der Rescher Alm führt ein gut markierter Bergweg mit rund 800 Höhenmetern zum Gipfel.
Unterwegs begegnet man immer wieder Spuren der Vergangenheit. Alte Militärwege, Bunker und ehemalige Befestigungsanlagen gehören zum sogenannten Alpenwall. Das Verteidigungssystem wurde ab Ende der 1930er-Jahre unter dem italienischen Diktator Benito Mussolini entlang der Landesgrenzen errichtet.
Am Gipfel des Piz Lad öffnet sich ein weiter Blick über den Reschensee, den Reschenpass und die umliegende Bergwelt. Besonders eindrucksvoll ist der Kontrast zwischen den vergleichsweise sanften Hängen auf Südtiroler Seite und den steilen Felsabbrüchen in Richtung Engadin.
Wer die Tour verlängern möchte, kann dem aussichtsreichen Grat weiter folgen. Von hier reichen die Blicke über das Ortlergebiet bis zu den vergletscherten Gipfeln der umliegenden Berggruppen. Auch als Sonnenaufgangswanderung ist der Piz Lad ein lohnendes Ziel.
Ruhige Seitentäler und zahlreiche Dreitausender
Abseits der Berge unmittelbar am Reschensee eröffnen sich weitere Wandermöglichkeiten. Südwestlich von Reschen führt das Rojental in die Sesvennagruppe. Hier wird es abseits der bekannten Ausflugsziele deutlich ruhiger.
Auf der gegenüberliegenden Seeseite zweigt bei Graun das Langtauferer Tal ab. Die Straße führt bis nach Melag, wo zahlreiche Wanderungen und anspruchsvollere Bergtouren beginnen.
Rund um das Tal erheben sich etwa 30 Dreitausender. Damit bietet das Gebiet auch erfahrenen Bergsteigern ein großes Betätigungsfeld. Die hochalpinen Touren verlangen allerdings entsprechende Kondition, Erfahrung und sichere Verhältnisse.
Kitesurfen auf dem Reschensee
Eine Besonderheit des Reschensees ist der häufig auftretende, vergleichsweise beständige Südwind. Er sorgt dafür, dass sich der hoch gelegene Stausee zu einem beliebten Treffpunkt für Kitesurfer entwickelt hat.
Die reguläre Kitesaison reicht nach Angaben der Ferienregion von Mai bis Oktober. Der wichtigste Kitespot befindet sich bei Graun. Dort bieten Kiteschulen Kurse und Materialverleih an.
Auch Einsteiger können den Sport unter fachkundiger Anleitung ausprobieren. Zunächst werden an Land die Grundlagen der Kite-Steuerung und die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen vermittelt. Anschließend folgen erste Übungen auf dem Wasser.
Beim sogenannten Bodydrag lassen sich die Sportler ohne Board vom Kite durch das Wasser ziehen. Diese Technik gehört zu den Grundlagen des Kitesurfens und wird unter anderem benötigt, um ein verlorenes Board wieder zu erreichen.
Neben Kitesurfen bietet der Reschensee auch Möglichkeiten zum Wingfoilen und für weitere Wassersportarten.
Der versunkene Kirchturm von Graun
So bekannt das Wahrzeichen des Reschensees ist, so bewegend ist seine Geschichte. Der romanische Kirchturm aus dem 14. Jahrhundert erinnert an das frühere Dorf Graun, das im Zuge der Seestauung im Jahr 1950 weitgehend unter Wasser verschwand.
Für den Bau des Stausees zur Stromgewinnung wurden große Teile von Graun und Reschen überflutet. Rund 150 Familien verloren damals ihr Zuhause. Die Planungen für das Projekt reichen bis in die Zeit des italienischen Faschismus zurück.
Der Kirchturm blieb als eines der wenigen Bauwerke erhalten. Heute zählt er zu den meistfotografierten Motiven Südtirols und erinnert zugleich an ein einschneidendes Kapitel der regionalen Geschichte.
Wer mehr über die Entstehung des Stausees und das Schicksal der betroffenen Bevölkerung erfahren möchte, kann an einer der angebotenen Führungen teilnehmen.
Mittelalterliche Gassen in Glurns
Ein weiterer lohnender Ausflug führt nach Glurns im Oberen Vinschgau. Mit rund 900 Einwohnern gilt der Ort als kleinste Stadt Südtirols.
Besonders sehenswert ist die vollständig erhaltene Stadtbefestigung mit ihren drei historischen Toren. Hinter den Mauern prägen enge Gassen, Laubengänge und kleine Plätze das Stadtbild.
Nach der Zerstörung im Jahr 1499 wurde Glurns wieder aufgebaut und mit einer neuen Stadtmauer versehen. Die historische Befestigung und der restaurierte Wehrgang lassen sich heute bei einem Rundgang entdecken.
Zu den bekanntesten Bauwerken zählen das Malser Tor, das Schludernser Tor und das Tauferer Tor. Eine Stadtführung vermittelt zusätzliche Einblicke in die Geschichte der ehemaligen Handelsstadt.
Auch kulinarisch hat der Obere Vinschgau Besonderheiten zu bieten. Dazu gehört die traditionelle Palabirne, eine alte regionale Birnensorte, die bis heute angebaut und verarbeitet wird.
Zwischen Berg, See und Geschichte
Der Reschensee ist weit mehr als ein Fotostopp auf der Fahrt nach Südtirol. Mountainbike-Touren mit Seeblick, aussichtsreiche Gipfelwanderungen, Wassersport und geschichtsträchtige Orte liegen hier vergleichsweise nah beieinander.
Besonders abwechslungsreich ist der Wechsel zwischen den unterschiedlichen Landschaften. Während auf den Enduro-Trails sportliche Herausforderungen warten, führen die Wege am Piz Lad in aussichtsreiche Höhenlagen. In den Seitentälern wird es ruhiger, am Reschensee bestimmt dagegen häufig der Wind das Geschehen.
Mit Graun und Glurns kommen zwei kulturelle Ziele hinzu, die einen Einblick in die bewegte Geschichte des Oberen Vinschgaus ermöglichen.
Gerade diese Mischung aus Natur, Sport und Kultur macht die Region zu einem vielseitigen Reiseziel, das sich nicht nur für einen kurzen Zwischenstopp, sondern auch für mehrere aktive Tage eignet.
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Herr Björn Ahrndt
Holunderweg 14
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