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Siemens Healthineers unter Druck wegen Kaninchen-Antikörpern

Forderungen von Ärzte gegen Tierversuche e.V. und dem Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre an Siemens Healthineers

BildVereine fordern auf Hauptversammlung verbindlichen Ausstiegsplan

Auf der Hauptversammlung von Siemens Healthineers hat Dr. Melanie Seiler, Geschäftsführerin für Öffentlichkeitsarbeit bei Ärzte gegen Tierversuche, gemeinsam mit dem Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre den Vorstand zur fortgesetzten Nutzung von Kaninchenblut für diagnostische Tests befragt (1). Hintergrund sind wiederholte Aufdeckungen zu Missständen in Zulieferbetrieben sowie seit Jahren verfügbare tierversuchsfreie Methoden zur Antikörperherstellung. Die Vereine fordern den Konzern auf, die Zusammenarbeit mit auffällig gewordenen Lieferanten zu beenden und einen konkreten Zeitplan für den vollständigen Ausstieg aus Kaninchen-Antikörpern vorzulegen.

Hintergrund der Kritik sind unter anderem verdeckte Recherchen des Vereins SOKO Tierschutz, die im September 2025 massive Tierschutzverstöße in einem bayerischen Zulieferbetrieb dokumentierten, in dem Tausende Kaninchen für die Antikörperproduktion gehalten werden (2). Bereits 2022 war ein Skandal eines weiteren Zulieferers öffentlich geworden – in diesem Fall wurde die Zusammenarbeit beendet (3). Im aktuellen Fall sieht der Konzernvorstand bislang jedoch keinen Anlass, die Geschäftsbeziehung mit dem Betrieb zu beenden. Auf der Versammlung erklärte er, eine kürzlich durchgeführte Überprüfung habe keine wesentlichen Abweichungen ergeben.

“Zwei schwere Fälle innerhalb weniger Jahre sind kein Einzelfall, sondern ein strukturelles Problem”, betont Seiler. Wenn Audits keine Verstöße feststellen, während externe Recherchen mehrfach massive Missstände aufdecken, bleiben nur zwei Möglichkeiten – beide hoch problematisch: “Entweder die Kontrollen sind nicht geeignet, Verstöße gegen den Tierschutz zu erfassen, oder festgestellte Verstöße führen nicht zu Konsequenzen, die weiteres Tierleid verhindern können”, so Seiler.

In ihren Wortbeiträgen machten die beiden Verbände deutlich, dass Siemens Healthineers weiterhin Antikörper aus Kaninchenblut einsetzt, obwohl moderne tierversuchsfreie Verfahren zur Herstellung von Antikörpern wissenschaftlich etabliert sind (4). Diese Methoden sind Siemens Healthineers nicht nur bekannt, sondern werden nach Angaben des Konzerns bereits seit Jahren eingesetzt, um diagnostische Tests ohne Kaninchen-Antikörper zu entwickeln (3). Dass diese Entwicklungsarbeiten erfolgreich verlaufen, belegt ein von Siemens Healthineers eingereichtes Patent. In der Patentanmeldung wird ein Verfahren beschrieben, mit dem die Kaninchenantikörper durch tierversuchsfrei hergestellte Antikörper ersetzt werden können (5).

Mala Deimann vom Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre ergänzt: “Der Vorstand von Siemens Healthineers flüchtet sich in Ausreden, statt die eigene Innovationskraft für den Tierschutz einzusetzen. Es ist nicht glaubwürdig, die Verantwortung auf langwierige Zulassungsverfahren zu schieben, wenn man intern längst über das Know-How für tierfreie Methoden verfügt. Wer Nachhaltigkeit predigt, muss auch bereit sein, die Extrameile für eine Zukunft ohne Tierleid zu gehen.”

Ein weiterer Beleg dafür, dass Kaninchen-Antikörper für diagnostische Tests nicht notwendig sind, besteht darin, dass nach Aussagen des Konzern alle in den letzten 10 Jahren neu entwickelten diagnostischen Tests ohne sie auskommen. Dass trotz dieser Erfolge kein konkreter Plan zum Ausstieg aus Kaninchenblut existiert, widerspricht geltendem EU-Recht, nach dem Tierversuche – zu denen auch die Herstellung von Antikörpern in Kaninchen gehört – nur zulässig sind, wenn es keine tierversuchsfreien Verfahren gibt (6).

“Die Frage ist nicht mehr, ob ein Ausstieg wissenschaftlich oder technisch möglich ist – dies hat Siemens Healthineers mit seinen eigenen Entwicklungsaktivitäten selbst belegt. Die Frage ist vielmehr, warum Siemens Healthineers den Ausstieg aus Kaninchenblut nicht konsequent verfolgt und die Öffentlichkeit und seine Aktionäre transparent darüber informiert”, so Seiler.

Mit einer laufenden Kampagne fordert Ärzte gegen Tierversuche Siemens Healthineers auf, einen verbindlichen Plan zum Ausstieg aus der Nutzung von Kaninchenblut vorzulegen.

Weitere Informationen

Kampagne mit Online-Petition “Siemens Healthineers lässt Kaninchen bluten” >>

Quellen (mit Links auf der ÄgT-Webseite >>)

1. “Erheblicher Widerspruch zum eigenen Nachhaltigkeitsanspruch, solange tierfreie Methoden nicht umgesetzt werden”. Rede von Dr. Melanie Seiler, Ärzte gegen Tierversuche, Dachverband Kritische Aktionäre, 05.02.2026

2. Erschütternde Aufdeckung auf Bauernhof. Ärzte gegen Tierversuche, News, 24.09.2025

3. Tierversuche bei Siemens. Ärzte gegen Tierversuche, Pressemitteilung, 28.07.2022

4. Barroso, J. et al. EURL ECVAM Recommendation on non-animal-derived antibodies. Publications office of the European Union, 2020

5. Immunpräzipitaionsassay mit nicht-Blut-basierten Antikörpern. Siemens Healthcare Diagnostics Products GmbH, Europäische Patentanmeldung, 10.09.2025, EP 4 614 147 A1

6. Richtlinie 2010/63/EU des europäischen Parlaments und des Rates vom 22. September 2010 zum Schutz der für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere

Verantwortlicher für diese Pressemitteilung:

Ärzte gegen Tierversuche e.V.
Frau Melanie Seiler
Lustheide 85
51427 Bergisch Gladbach
Deutschland

fon ..: 02204-99902-24
web ..: https://www.aerzte-gegen-tierversuche.de
email : seiler@aerzte-gegen-tierversuche.de

“Medizinischer Fortschritt ist wichtig – Tierversuche sind der falsche Weg!” – Unter diesem Motto setzt sich Ärzte gegen Tierversuche e. V. seit 1979 für eine tierversuchsfreie Forschung ein, die auf dem Einsatz von modernen Methoden z.B. mit menschlichen Zellkulturen und Organchips sowie der Ursachenforschung und Vorbeugung von Krankheiten basiert. Ziel ist die Abschaffung aller Tierversuche und damit eine ethisch vertretbare, am Menschen orientierte Medizin – eine Wissenschaft, die durch moderne, tierversuchsfreie Testmethoden zu relevanten Ergebnissen gelangt.

Pressekontakt:

Ärzte gegen Tierversuche e.V.
Frau Gaby Neumann
Lustheide 85
51427 Bergisch Gladbach

fon ..: 02204-99902-32
email : neumann@aerzte-gegen-tierversuche.de

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