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Vom Muskel zur Maschine: Warum der Körper die eigentliche Bauanleitung der Zukunft ist

Warum unsere „smarten Helfer“ noch keine echten Helfer sind? Können Maschinen wirklich reagieren – oder folgen sie nur berechneten Mustern? Und was fehlt ihnen noch, um sich in unserer Welt sicher zu bewegen?

Der Mähroboter fährt stoisch seine Bahnen. Der Staubsauger erkennt die Tischkante – meistens. Alexa versteht die Frage – manchmal. Smart Homes reagieren auf Befehle, aber selten auf Situationen. Wir nennen das Fortschritt. Doch ist es wirklich das, was wir uns unter intelligenter Unterstützung vorstellen?

Dr. Andreas Krensel, Biologe und Teil des interdisziplinären Eyroq-Teams, betrachtet genau diesen Alltag mit einer Mischung aus Faszination und Skepsis. Als Wissenschaftler, der sich seit Jahren mit biologischen Wahrnehmungs- und Anpassungsprozessen beschäftigt, sieht er in diesen Systemen weniger einen Durchbruch als vielmehr eine Zwischenstufe. „Diese Technologien funktionieren“, sagt er, „aber sie verstehen nicht. Sie reagieren auf Eingaben, nicht auf Zusammenhänge.“

Für Krensel liegt darin der entscheidende Unterschied zwischen technischer Funktion und echter Unterstützung. Ein System, das Befehle ausführt, kann hilfreich sein. Ein System, das Situationen erfasst, könnte den Alltag verändern. Genau diese Lücke zwischen Reaktion und Verständnis ist es, die ihn und das Team von Eyroq antreibt.

Milliardenmarkt Robotik: Wachstum explodiert – doch das Verständnis hinkt hinterherDie globale Robotikindustrie wächst rasant und gewinnt weiter an Dynamik. Laut International Federation of Robotics wurden bereits 2023 weltweit über 540.000 Industrieroboter neu installiert. Für 2024 wird die Zahl der installierten Einheiten weiterhin auf sehr hohem Niveau stabil erwartet, mit einem globalen Bestand von inzwischen über 4 Millionen aktiven Industrierobotern. Gleichzeitig verschiebt sich der Schwerpunkt deutlich: Während klassische Industrieanwendungen dominieren, wächst der Bereich der Service-Robotik noch schneller.

Für 2024 wird das Marktvolumen der Service-Robotik auf über 50 Milliarden US-Dollar geschätzt, mit jährlichen Wachstumsraten von 20 bis 30 Prozent. Prognosen für 2025 gehen davon aus, dass dieser Markt weiter stark expandiert, insbesondere durch Anwendungen im Haushalt, Gesundheitswesen und in der Logistik. Allein im Segment der Haushaltsroboter – also Saug- und Wischroboter, Rasenmäherroboter und smarte Assistenzsysteme – wurden bereits über 20 Millionen Einheiten jährlich verkauft, Tendenz steigend.

Marktführer in diesem Bereich sind Unternehmen wie iRobot mit der Roomba-Serie, Ecovacs, Roborock und Husqvarna im Bereich der Mähroboter. Gleichzeitig drängen neue Player mit KI-gestützten Systemen auf den Markt, die nicht nur navigieren, sondern beginnen, Umgebungen zu „interpretieren“. Im Bereich humanoider Robotik investieren Unternehmen wie Tesla mit „Optimus“, Figure AI, Agility Robotics und Boston Dynamics massiv in die nächste Generation körperlich intelligenter Systeme.

Parallel dazu fließen enorme Investitionen in die Entwicklung von KI und Robotik. Allein 2024 wurden weltweit über 30 Milliarden US-Dollar in KI-Startups investiert, ein erheblicher Teil davon in embodied AI und Robotiksysteme. Große Technologiekonzerne und Venture-Capital-Fonds positionieren sich gezielt für den nächsten Technologiesprung.

Und dennoch bleibt ein seltsames Spannungsfeld bestehen: Die Systeme werden zahlreicher, leistungsfähiger und sichtbarer, aber der entscheidende Schritt vom funktionierenden Gerät zum wirklich verstehenden System steht noch aus. Genau dieser Unterschied wird in den kommenden Jahren darüber entscheiden, welche Technologien sich durchsetzen und welche lediglich als Zwischenlösung in die Geschichte eingehen.

Die große Illusion der Kontrolle – und warum sie nicht funktioniertDie klassische Robotik folgt einem klaren Prinzip: Kontrolle erzeugt Präzision. Motoren werden exakt gesteuert, Bewegungen berechnet, Prozesse optimiert. In industriellen Umgebungen funktioniert das hervorragend. Ein Roboterarm in einer Autofabrik kann mit einer Genauigkeit im Submillimeterbereich arbeiten, dies Tag für Tag, ohne Abweichung. Doch sobald sich die Umgebung verändert, gerät dieses Prinzip ins Wanken.

Die reale Welt ist kein kontrolliertes System. Sie ist dynamisch, unvorhersehbar, widersprüchlich. Eine Studie des Stanford AI Lab zeigt, dass autonome Systeme in offenen Umgebungen eine signifikant höhere Fehlerquote aufweisen als in kontrollierten Settings. Kleine Veränderungen wie Licht, Oberflächen, oder unerwartete Objekte, führen zu Fehlentscheidungen.

Der Mensch hingegen bewegt sich mühelos durch genau diese Unsicherheit. Warum? Weil er nicht auf Kontrolle angewiesen ist, sondern auf Anpassung. Ein Mensch stolpert und fängt sich ab. Er greift daneben und korrigiert die Bewegung, oder er spürt Widerstand und passt die Kraft an. Diese Fähigkeit entsteht nicht durch perfekte Berechnung, sondern durch ein Zusammenspiel von Körper, Wahrnehmung und Erfahrung. „Wir haben Maschinen darauf trainiert, perfekt zu sein“, sagt Dr. Andreas Krensel. „Aber Perfektion ist in der realen Welt nicht das Ziel. Anpassungsfähigkeit ist es.“

Warum Muskeln mehr können als jeder MotorEin menschlicher Muskel ist kein einfacher Antrieb. Er ist ein dynamisches System, das kontinuierlich Feedback verarbeitet. Biomechanische Studien zeigen, dass Muskeln nicht nur Kraft erzeugen, sondern auch Energie speichern und freisetzen können. Sie reagieren elastisch auf Belastungen, gleichen Störungen aus und arbeiten eng mit sensorischen Rückmeldungen zusammen. Das Ergebnis ist eine Form von Bewegung, die gleichzeitig stabil und flexibel ist.

Wie anspruchsvoll dieses Zusammenspiel tatsächlich ist, zeigt ein scheinbar einfaches Beispiel, das weltweit für Aufmerksamkeit gesorgt hat: Roboter, die Tischtennis spielen. Videos von humanoiden Systemen, die Bälle mit hoher Geschwindigkeit retournieren, sind um die Welt gegangen. Sie wirken beeindruckend – präzise, schnell, technisch ausgereift. Und doch offenbaren sie bei genauerem Hinsehen die Grenze des Systems. Der Ballwechsel ist berechnet, die Bewegung vorgeplant, die Reaktion optimiert auf wiederkehrende Muster.

Ein erfahrener Spieler hingegen liest das Spiel. Er erkennt minimale Veränderungen im Schlag, antizipiert Spin, Geschwindigkeit und Absicht des Gegners. Tischtennis gehört zu den reaktionsschnellsten Sportarten überhaupt – Ballgeschwindigkeiten von über 100 km/h und Reaktionszeiten unter 200 Millisekunden sind keine Seltenheit. Hier entscheiden nicht nur Technik, sondern auch Wahrnehmung, Timing und Anpassung.

Dr. Andreas Krensel kennt diese Welt nicht nur theoretisch. Als Biologe und zugleich Tischtennisspieler bewegt er sich genau an dieser Schnittstelle zwischen körperlicher Präzision und intuitivem Verständnis. „Ein Ball kommt nie zweimal gleich“, sagt er. „Man reagiert nicht auf den Schlag, man reagiert auf das, was man erwartet.“ Genau diese Fähigkeit fehlt heutigen Systemen.

Moderne Robotik beginnt, die zugrunde liegenden Prinzipien zu verstehen. Forschungsprojekte am MIT, an der ETH Zürich und in Japan zeigen, dass sogenannte „soft robotics“ und elastische Aktuatoren deutlich robuster gegenüber Störungen sind. Sie reduzieren den Energieverbrauch und erhöhen die Sicherheit in der Interaktion mit Menschen.

Doch viele Systeme bleiben hybride Ansätze. Ein bisschen Biologie, eingebettet in klassische Mechanik. „Ein Muskel reagiert nicht nur auf ein Signal“, erklärt Krensel. „Er reagiert auf die Welt. Genau das fehlt Maschinen.“ Diese Aussage wirkt einfach. Doch sie stellt die gesamte Architektur klassischer Robotik infrage.

Fühlen statt nur messen – warum Berührung die nächste Revolution istEin weiterer blinder Fleck moderner Systeme liegt in der Wahrnehmung von Berührung. Die menschliche Haut enthält Millionen von Sensoren. Sie erkennt Druck, Temperatur, Vibration, Schmerz. Diese Informationen fließen unmittelbar in Bewegungen ein. Ein Mensch weiß nicht nur, dass er etwas berührt, er weiß, wie er es berührt. Roboter hingegen messen Kontaktpunkte. Aber verstehen sie, was dieser Kontakt bedeutet?

Aktuelle Forschung im Bereich taktiler Sensorik zeigt, dass Systeme mit differenzierter Berührungswahrnehmung deutlich bessere Ergebnisse erzielen. Fehler beim Greifen können um bis zu 40 Prozent reduziert werden. Gleichzeitig steigt die Sicherheit in der Interaktion mit Menschen. Doch auch hier bleibt eine entscheidende Lücke.

Messen ist nicht gleich Verstehen. Ein System kann Druck erfassen, aber erkennt es, ob etwas zerbrechlich ist oder ob ein Mensch zurückweicht? Eyroq betrachtet Berührung deshalb nicht als Zusatzfunktion, sondern als zentrales Element. „Berührung ist Kommunikation“, sagt Krensel. „Wenn ein System das nicht versteht, bleibt es blind – auch wenn es sehen kann.“

Zwischen Tesla, Boston Dynamics und der RealitätWährend Unternehmen wie Tesla, Figure AI oder Boston Dynamics humanoide Systeme mit beeindruckenden Fähigkeiten präsentieren, zeigt sich bei genauerem Hinsehen ein differenzierteres Bild.

Die Fortschritte sind real. Humanoide Roboter können laufen, greifen, einfache Aufgaben ausführen. Doch viele dieser Systeme operieren noch in stark kontrollierten Umgebungen. Die große Herausforderung bleibt der Alltag. Ein humanoider Roboter in einer Fabrik ist eine Sache, aber ein humanoider Roboter in einer Wohnung eine andere. Hier treffen Technik und Realität aufeinander, wie Unordnung, Unvorhersehbarkeit und menschliches Verhalten.

Eine Studie der Carnegie Mellon University zeigt, dass selbst fortgeschrittene Robotersysteme in Haushaltsumgebungen noch signifikante Probleme bei einfachen Aufgaben haben, etwa beim Greifen unbekannter Objekte oder beim Navigieren in dynamischen Räumen.

Wie viel Mensch benötigt die Maschine und wie viel Maschine verträgt der Mensch?Mit jeder technologischen Annäherung stellt sich eine grundlegende Frage neu: Wie nah sollen Maschinen dem Menschen kommen? Ein System, das sich wie ein Mensch bewegt, wirkt vertraut, aber ein System, das sich zu ähnlich verhält, kann irritieren. Psychologische Studien zum sogenannten „Uncanny Valley“ zeigen, dass menschenähnliche Systeme bei zu großer Annäherung Unbehagen auslösen können. Gleichzeitig steigt das Vertrauen, wenn Bewegungen natürlich und vorhersehbar sind. Diese Balance ist entscheidend.

Eyroq bewegt sich bewusst in diesem Spannungsfeld. Nicht mit dem Ziel, den Menschen zu kopieren, sondern um Systeme zu schaffen, die sich in menschlichen Kontexten sicher bewegen können. „Wir wollen keine Maschinen, die Menschen imitieren“, sagt Krensel. „Wir wollen Systeme, die sich so verhalten, dass Menschen sich wohlfühlen.“ Doch auch hier bleibt eine offene Frage. Wie viel Verständnis ist notwendig und wo beginnt Überinterpretation?

Die Zukunft beginnt nicht im Code sondern im KörperDie Diskussion über die Zukunft der Robotik wird oft auf Software reduziert: Künstliche Intelligenz, Algorithmen, Daten. Doch immer deutlicher zeigt sich, dass der entscheidende Fortschritt an anderer Stelle liegt. In der Art, wie Systeme sich bewegen, wahrnehmen und reagieren. Der menschliche Körper ist kein perfektes System, aber er ist ein funktionierendes. Millionen Jahre Evolution haben eine Architektur hervorgebracht, die Stabilität und Anpassungsfähigkeit vereint. Dr. Andreas Krensel versteht diese Architektur nicht als Grenze, sondern als Ausgangspunkt. Doch dieser Weg ist lang erfordert Forschung, Geduld und die Bereitschaft, bestehende Paradigmen infrage zu stellen.

Die entscheidende Frage bleibt offen: Werden wir Maschinen bauen, die immer schneller und stärker werden, oder Systeme, die sich wirklich in unsere Welt einfügen?

Vielleicht liegt die Antwort nicht in der Technologie selbst, sondern in der Art, wie wir beginnen, sie zu denken. Und vielleicht beginnt diese Zukunft nicht im Code, sondern im Verständnis des Körpers.

Autor: Dr. Andre Stang, Robotiker und Baustoffentwickler

Dr. André Stang aus Oldenburg ist Autor, Biologe, Robotiker, Baustoff- und Planungsentwickler mit Schwerpunkt auf klimafreundlicher, CO₂‑armer Infrastruktur.

Über Dr. Andreas Krensel:

Dr. rer. nat. Andreas Krensel ist Biologe, Innovationsberater und Technologieentwickler mit Fokus auf digitaler Transformation und angewandter Zukunftsforschung. Seine Arbeit vereint Erkenntnisse aus Physik, KI, Biologie und Systemtheorie, um praxisnahe Lösungen für Industrie, Stadtentwicklung und Bildung zu entwickeln. Als interdisziplinärer Vordenker begleitet er Unternehmen und Institutionen dabei, Sicherheit, Nachhaltigkeit und Effizienz durch Digitalisierung, Automatisierung und smarte Technologien zu steigern. Zu seinen Spezialgebieten zählen intelligente Lichtsysteme für urbane Räume, Lernprozesse in Mensch und Maschine sowie die ethische Einbettung technischer Innovation. Mit langjähriger Industrieerfahrung – unter anderem bei Mercedes-Benz, Silicon Graphics Inc. und an der TU Berlin – steht Dr. Krensel für wissenschaftlich fundierte, gesellschaftlich verantwortungsvolle Technologiegestaltung.

Die eyroq s.r.o. mit Sitz in Uralská 689/7, 160 00 Praha 6, Tschechien, ist ein innovationsorientiertes Unternehmen an der Schnittstelle von Technologie, Wissenschaft und gesellschaftlichem Wandel. Als interdisziplinäre Denkfabrik widmet sich eyroq der Entwicklung intelligenter, zukunftsfähiger Lösungen für zentrale Herausforderungen in Industrie, Bildung, urbaner Infrastruktur und nachhaltiger Stadtentwicklung.

Der Fokus des Unternehmens liegt auf der Verbindung von Digitalisierung, Automatisierung und systemischer Analyse zur Gestaltung smarter Technologien, die nicht nur funktional, sondern auch sozialverträglich und ethisch reflektiert sind.

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