Wenn Teams ins Stocken geraten: Studie stellt infrage, was Gehirnsynchronität wirklich zeigt

Was eine Hyperscanning-Studie bei gestörter Zusammenarbeit maß, widerspricht der Vorstellung von geteiltem Gehirnrhythmus als Gradmesser für ein funktionierendes Team.
Präregistrierte fNIRS-Studie mit 49 Teams zeigt: Nicht der neuronale Gleichklang, sondern die Gesprächsverteilung verrät, wie es um die Zusammenarbeit steht.
Vlotho, 15. September 2026. Wenn ein Team unter Druck gerät, zeigt sich das in Fehlern und im Ton der Zusammenarbeit. Ob sich eine solche Störung auch unmittelbar im Gehirn ablesen lässt, hat ein Forschungsteam um Coralie Réveillé aus Montpellier an Zweierteams untersucht. Unter dem Titel Investigating interbrain synchrony under teamwork disruption: an fNIRS hyperscanning study, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Behavioral and Brain Functions, kommt die präregistrierte Studie zu einem Befund, der der verbreiteten Vorstellung vom gemeinsamen neuronalen Schwingen zweier Menschen widerspricht: Auf eine plötzliche Störung reagierte die Synchronität zwischen den Gehirnen nicht, die Gesprächsverteilung im Team dagegen schon.
106 Erwachsene, die sich vorher nicht kannten, bildeten 53 Zweierteams. Jedes Team löste eine Navigationsaufgabe am Bildschirm: Eine Person kannte den vorgegebenen Weg, die andere steuerte einen Cursor nach deren Ansage. Bei der Hälfte der Teams brach die Aufgabe nach zehn Minuten unangekündigt zusammen, mehr als vier von fünf Orientierungspunkten verschwanden. Über die gesamte Dauer maß eine Doppelmessung namens Hyperscanning die Durchblutung an mehreren Hirnregionen beider Personen gleichzeitig. Ausgewertet wurden 98 Personen in 49 Teams.
Die Störung wirkte deutlich: Die Fehlerwerte mehr als verdoppelten sich, die empfundene Schwierigkeit stieg von gut drei auf über sechs von zehn Punkten. Die Gesamtsprechzeit blieb gleich, ihre Verteilung jedoch nicht: Die ohnehin ungleiche Rollenverteilung im Gespräch verschärfte sich, die Person mit dem Überblick übernahm zunehmend das Reden. Die neuronale Synchronität dagegen, gemessen in Niveau, Verlauf und zeitlicher Regelmäßigkeit, reagierte auf keines dieser Merkmale. Sie war während der Aufgabe klar nachweisbar, blieb unter der Störung aber unverändert.
»Diese Studie liefert eine wichtige Grenzmarkierung für die Praxis: Gemeinsames neuronales Schwingen sagt offenbar wenig darüber aus, wie gut eine Zusammenarbeit gerade läuft«, erklärt Uli Funke, Gründer der Akademie für angewandte Neurowissenschaft A|F|A|N. »Wer Führungswirkung beurteilen will, kommt an beobachtbaren Signalen wie der Gesprächsverteilung nicht vorbei. Das ist ein Grund mehr, dort zu messen, wo sich Wirkung zeigt, und nicht dort, wo sie sich am eindrucksvollsten erzählen lässt.«
Genau an diesem Punkt setzt der 5iol-Test an, ein wissenschaftlich fundiertes Verfahren, das hilft, Leadership Wirkung zu messen, statt sie an schwer beobachtbaren Vorgängen abzulesen. Dreißig Fragen decken fünf Dimensionen ab, darunter Resonanz und Beziehung, jene Dimension, in der sich Befunde wie der von Réveillé und ihrem Team unmittelbar wiederfinden. Als Instrument der Persönlichkeitsdiagnostik in der Führung ergänzt der Test damit, was sich am Gehirn allein nicht zuverlässig ablesen lässt: wie stark sich die Wirkung von Führung tatsächlich im Verhalten zeigt. Für Unternehmen entsteht mit 5iol-PLUS derzeit eine erweiterte Variante mit dem Arbeitstitel »Standortbestimmung Führung«: Sie bezieht neben der Selbsteinschätzung auch die Fremdeinschätzung durch das Team ein und macht so sichtbar, wie sich Führungswirkung nicht nur für eine einzelne Person, sondern für eine ganze Gruppe oder ein Team darstellt.
Das Bild vom Mitschwingen zweier Menschen stammt ursprünglich aus der Forschung zu Spiegelneuronen, jenen Nervenzellen, die bereits aktiv werden, wenn man eine Handlung bei einer anderen Person nur beobachtet. Der Wikipedia-Artikel zu Spiegelneuronen zeigt, wie stark dieses Bild die Vorstellung von Empathie und Teamresonanz bis heute prägt, auch wenn seine Aussagekraft für die Qualität einer laufenden Zusammenarbeit nach dieser Studie begrenzt bleibt.
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Die Akademie für angewandte Neurowissenschaft A|F|A|N (AFAN Solutions GmbH) vermittelt seit 2021 neurowissenschaftlich fundiertes Wissen für Menschen in Führung, Training, Coaching und Organisationsentwicklung. Gründer Uli Funke hat mit BRAIN FOR BUSINESS® eine praxisnahe Weiterbildung entwickelt, die von der BDVT-Akademie 2025 geprüft und ausgezeichnet wurde. Gemeinsam mit Prof. Dr. Bruno Haller hat er außerdem den 5iol-Test entwickelt, ein wissenschaftlich fundiertes Verfahren zur Erfassung von Führungswirkung, das neben der Selbsteinschätzung auch die Fremdeinschätzung im Team einbezieht.
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