Cyberangriffe aufs Rechnungswesen: Warum aus TOM jetzt MOT werden muss

Cyberangriffe nehmen zu. Besonders gefährdet ist das Rechnungswesen. Jochen Treuz plädiert deshalb für MOT: menschliche, organisatorische und technische Maßnahmen.
Cyberangriffe treffen Unternehmen mit wachsender Häufigkeit und verursachen Schäden in Milliardenhöhe. Gerade das Rechnungswesen ist ein attraktives Ziel: Hier laufen Geld, sensible Daten und wichtige Geschäftsprozesse zusammen. Der Experte Jochen Treuz plädiert deshalb für einen erweiterten Ansatz: Aus TOM sollten MOT werden – menschliche, organisatorische und technische Maßnahmen.
Klassisch wird bei der Informationssicherheit von technischen und organisatorischen Maßnahmen – TOM – gesprochen. Für das Rechnungswesen ist es sinnvoll, diesen Ansatz weiterzuentwickeln.
Aus TOM werden MOT: menschliche, organisatorische und technische Maßnahmen.
Technik und Organisation bleiben wichtig. Aber ohne den Menschen funktioniert Schutz nicht.
Cyberangriffe verursachen enorme Schäden
Wie groß der Handlungsdruck inzwischen ist, zeigt die aktuelle Bitkom-Studie “Wirtschaftsschutz 2026”.
Die Schäden durch Datendiebstahl, Industriespionage und Sabotage liegen für die deutsche Wirtschaft bei 211 bis 270,8 Milliarden Euro. Rund drei Viertel davon entfallen auf Cyberattacken. Allein die Schäden durch Cyberangriffe betragen damit 160,4 bis 205,8 Milliarden Euro.
Fast zwei Drittel der Unternehmen – 63 Prozent – haben in den vergangenen zwölf Monaten eine Zunahme der Cyberangriffe festgestellt.
Rein rechnerisch entspricht die Schadenssumme durch Cyberangriffe einer Größenordnung von etwa 4.000 bis 5.000 Euro je Beschäftigtem und Jahr. Diese Umrechnung dient nur der Veranschaulichung. Die tatsächlichen Schäden verteilen sich natürlich sehr ungleich.
Für einzelne Unternehmen kann ein erfolgreicher Angriff jedoch schnell existenzielle Folgen haben.
Warum gerade das Rechnungswesen interessant ist
Im Rechnungswesen finden Angreifer genau das, was sie suchen:
* Bankverbindungen,
* Rechnungen,
* Informationen über Kunden und Lieferanten,
* Zahlungsabläufe,
* Freigaben,
* sensible Unternehmensdaten.
Vor allem aber können sie dort Zahlungen beeinflussen.
Dabei muss ein Angriff nicht mit einem technisch aufwendigen Eindringen in Unternehmenssysteme beginnen.
Eine überzeugend formulierte E-Mail kann ausreichen. Ein angeblicher Lieferant teilt eine neue Bankverbindung mit. Die Geschäftsführung verlangt vermeintlich eine dringende Überweisung. Ein Mitarbeiter soll Zugangsdaten bestätigen.
Besonders gefährlich wird es, wenn der Angreifer das Unternehmen vorher recherchiert hat. Webseiten, soziale Netzwerke und öffentlich zugängliche Informationen können Namen, Funktionen und Geschäftsbeziehungen liefern.
Der Mensch: Risiko- und Schutzfaktor
Beim Thema Cybersicherheit wird der Mensch häufig als “schwächstes Glied” bezeichnet.
Diese Sicht greift zu kurz.
Mitarbeitende können auf eine gefälschte Nachricht hereinfallen. Sie können aber ebenso einen ungewöhnlichen Vorgang erkennen, eine Zahlung stoppen oder eine verdächtige Änderung hinterfragen.
Der Mensch ist deshalb nicht nur Risikofaktor, sondern ein wichtiger Teil der Schutzstrategie.
Genau hier setzt der Gedanke “Von TOM zu MOT” an.
Menschliche Maßnahmen schaffen Aufmerksamkeit und Handlungssicherheit. Dazu gehören Schulungen, klare Kommunikationswege und das Wissen, wie bei ungewöhnlichen Vorgängen reagiert werden muss.
Organisatorische Maßnahmen sichern die Abläufe. Dazu zählen Berechtigungskonzepte, Vier-Augen-Prinzip und klare Freigabeprozesse.
Technische Maßnahmen unterstützen und begrenzen Risiken. Dazu gehören Mehrfaktor-Authentifizierung, regelmäßige Updates, Firewalls und sichere Zugänge.
Erst das Zusammenspiel dieser drei Bereiche schafft einen belastbaren Schutz.
Cybersicherheit wird zur Aufgabe des Rechnungswesens
Die IT kann technische Systeme absichern.
Ob eine geänderte Bankverbindung plausibel ist, ob eine Zahlung zum üblichen Geschäftsablauf passt oder warum eine angebliche Anweisung der Geschäftsführung plötzlich außerhalb des normalen Freigabeprozesses erfolgen soll, kann dagegen häufig nur der Fachbereich beurteilen.
Deshalb müssen IT und Rechnungswesen gemeinsam handeln.
“Cybersicherheit im Rechnungswesen darf nicht allein als technisches Thema betrachtet werden”, sagt Jochen Treuz. “Technik und Prozesse sind unverzichtbar. Entscheidend ist aber auch, ob Mitarbeitende ungewöhnliche Vorgänge erkennen und wissen, wie sie darauf reagieren müssen.”
Wie KI die Angriffe verändert
Diese Herausforderung wird weiter wachsen.
Künstliche Intelligenz ermöglicht es Angreifern, professionell formulierte Nachrichten zu erstellen, Sprache und Kommunikationsstile nachzuahmen und immer überzeugendere Täuschungen vorzubereiten.
Auch Bitkom sieht bei Cyberattacken eine zunehmende Rolle künstlicher Intelligenz.
Die klassische Warnung “Achten Sie auf schlechte Sprache und Rechtschreibfehler” reicht deshalb längst nicht mehr.
Entscheidend wird vielmehr die Frage:
Passt der Vorgang zu unseren normalen Abläufen – oder versucht jemand gerade, diese Abläufe zu umgehen?
Nächste Woche: Wenn der Mensch zum Angriffsziel wird
Wie Social Engineering funktioniert, welche Rolle Zeitdruck und öffentlich verfügbare Informationen spielen und warum KI Täuschungen noch überzeugender macht, zeigt der nächste Beitrag dieser Reihe.
Teil 2: “Wenn der Mensch zum Angriffsziel wird – Social Engineering und KI im Rechnungswesen” erscheint am Dienstag, 1. September 2026.
Online-Seminare “Cybersicherheit im Rechnungswesen”
Jochen Treuz behandelt die praktischen Risiken und Schutzmaßnahmen auch in seinem halbtägigen Online-Seminar “Cybersicherheit im Rechnungswesen”.
Die nächsten Termine sind:
12. Oktober 2026
9. November 2026
9. Dezember 2026
14. Dezember 2026
Weitere Informationen und Buchungsmöglichkeiten:
https://www.treuz.de/seminare-cybersicherheit/
Über Jochen Treuz
Dipl.-Kfm. Jochen Treuz ist freiberuflicher Trainer, Berater und Buchautor. Seine Schwerpunkte liegen im Rechnungswesen, bei der E-Rechnung, Digitalisierung, dem Einsatz künstlicher Intelligenz sowie der Cybersicherheit im Rechnungswesen. Er ist seit 2021 Geprüfter BSI IT-Grundschutz-Praktiker.
Er steht Redaktionen gerne für Interviews und Gastbeiträge zur Verfügung.
Verantwortlicher für diese Pressemitteilung:
Jochen Treuz | Trainer und Berater
Herr Jochen Treuz
Nördliche Hauptstraße 44
69469 Weinheim
Deutschland
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email : info@treuz.de
Dipl.-Kfm. Jochen Treuz ist freiberuflicher Trainer, Berater und Buchautor. Seine Schwerpunkte liegen im Rechnungswesen, seit 2016 bei der E-Rechnung, Digitalisierung, dem Einsatz künstlicher Intelligenz sowie der Cybersicherheit im Rechnungswesen. Er ist seit 2021 Geprüfter BSI IT-Grundschutz-Praktiker.
Er steht Redaktionen gerne für Interviews und Gastbeiträge zur Verfügung.
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