Psychische Gesundheit nach den Ferien: Wenn der Schulstart zur seelischen Belastung wird

Leistungsdruck, soziale Ängste, Schlafrhythmus – was Eltern tun können
Hamburg, 27. August 2026 – Für viele Kinder und Jugendliche bedeutet das Ende der Sommerferien die Rückkehr von Ängsten und Druck. Sie wehren sich dagegen, dass der “Ernst des Lebens” wieder beginnt, klagen über Schmerzen oder wirken traurig. Zahlreiche Familien erleben die Situation in den ersten Schulwochen deshalb als angespannt. Fachärzt:innen für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Beratungsstellen beobachten in dieser Zeit regelmäßig einen deutlichen Anstieg von Beratungsanfragen.
Schulangst als ernstzunehmendes Thema
Schulangst äußert sich häufig durch Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder sozialen Rückzug – Symptome, die Eltern nicht immer sofort richtig einordnen. Bei manchen Kindern zeigt sich die Angst bereits Tage vor dem ersten Schultag, bei anderen erst, wenn der Alltag wieder einsetzt. Dr. med. Annegret Bauer, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie und Aufsichtsrätin der Stiftung “Achtung!Kinderseele”, betont, dass Schulangst kein Ausdruck von Trotz oder mangelnder Motivation ist, sondern eine echte psychische Belastung, die ernst genommen werden sollte. Wird sie übersehen oder als “Phase” abgetan, besteht die Gefahr, dass sich Vermeidungsverhalten verfestigt und die Rückkehr in den Schulalltag zunehmend schwerer fällt.
Dr. Brauer: “Wenn Eltern Symptome von Schulangst und/oder Schulvermeidung bemerken, ist es besonders wichtig, diese absolut ernst zu nehmen und sensibel darauf einzugehen. Die Angst selbst können wir dem Kind oft nicht nehmen, aber wir können es so stärken, dass es sich der Angst stellt und trotzdem in die Schule geht. Wenn das Kind sich der Herausforderung stellt, wird die Angst schnell kleiner.”
Leistungsdruck: Wenn Noten zur Belastungsprobe werden
Bei der Schulangst spielt auch das Zurückkehren des Leistungsdrucks nach den entspannten Ferien eine zentrale Rolle. Notenerwartungen der Eltern, Vergleiche mit Mitschülerinnen und Mitschülern sowie ein dicht getakteter Stundenplan mit Klausuren und Prüfungen setzen viele Kinder und Jugendliche unter erheblichen Stress. Verstärkt wird dieser Druck häufig durch soziale Medien sowie durch die Sorge, den eigenen Ansprüchen oder denen des familiären Umfelds nicht zu genügen. Langfristig kann dauerhafter Leistungsdruck zu Erschöpfung, Konzentrationsproblemen und psychosomatischen Beschwerden führen.
Soziale Ängste nach den Ferien
Soziale Ängste können nach der Ferienzeit besonders stark sein. Viele Kinder sorgen sich, den Anschluss an die Klassengemeinschaft verloren zu haben oder sich zu blamieren, wenn sie wieder vor der Gruppe sprechen müssen. Besonders betroffen sind Kinder, die ohnehin zu Schüchternheit oder Zurückgezogenheit neigen. Die Umstellung von der freien Feriengestaltung zurück in feste Klassenstrukturen kann diese Ängste zusätzlich verstärken, da soziale Situationen im Schulalltag deutlich weniger vermeidbar sind als in den Ferien.
Der Schlafrhythmus als unterschätzter Faktor
Ein häufig unterschätzter, aber zentraler Faktor ist der gestörte Schlafrhythmus nach den Sommerferien. Späteres Zubettgehen, unregelmäßige Tagesabläufe und der Verzicht auf feste Weckzeiten während der Ferien erschweren vielen Kindern die Umstellung auf den frühen Schulbeginn erheblich. Die Folgen zeigen sich im Schulalltag: Konzentrationsschwierigkeiten, gereizte Stimmung und eine geringere Stressresistenz. Gerade in Kombination mit Schulangst, Leistungsdruck oder sozialen Ängsten kann ein unzureichender Schlafrhythmus bestehende Belastungen zusätzlich verschärfen. Dr. Brauer: “Wir empfehlen dringend, dieses Thema nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Um den Übergang zu erleichtern, sollten bereits einige Tage vor Schulbeginn feste Schlafenszeiten eingeführt werden”.
Fazit: Aufmerksam bleiben und rechtzeitig handeln
In den ersten Schulwochen sollten Eltern aufmerksam auf Verhaltensänderungen ihrer Kinder achten, so Dr. Brauer, etwa auf anhaltende körperliche Beschwerden, Schlafprobleme, Rückzug oder ungewöhnliche Gereiztheit. Bei anhaltenden oder sich verstärkenden Symptomen sollte frühzeitig professionelle Unterstützung gesucht werden, etwa zunächst beim Kinderarzt oder dem schulpsychologischen Dienst, die ggf. zu weiteren Schritten raten können. Ein sanfter Wiedereinstieg in feste Tagesstrukturen, ausreichend Schlaf sowie offene, wertfreie Gespräche über Sorgen und Ängste können vielen Kindern den Übergang in den Schulalltag erheblich erleichtern. Dr. Brauer: “Grundsätzlich sollten Eltern zwar Interesse am schulischen Leben ihrer Kinder zeigen und immer für Gespräche offen sein, sie sollten aber auf keinen Fall unnötigen Druck ausüben und sich über einzelne schlechte Noten aufregen. Wenn die Kinder angstfrei und einigermaßen gern zur Schule gehen, wirkt sich das im Allgemeinen sehr positiv auf das Lernvermögen und die Leistung aus.”
Verantwortlicher für diese Pressemitteilung:
Stiftung “Achtung!Kinderseele”
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Stiftung “Achtung!Kinderseele”
Als Stiftung zur Förderung der seelischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen agieren wir in enger Zusammenarbeit mit ehrenamtlich engagierten Fachärzt:innen für Kinder- und Jugend-psychiatrie und -psychotherapie. Wir entwickeln und implementieren Präventionsprogramme, um Kinder, Jugendliche und ihr jeweiliges Lebensumfeld für das Thema seelische Gesundheit zu sensibilisieren. Wir klären auf, informieren und setzen uns dafür ein, dass Kinder und Jugendliche mit psychischem Unterstützungsbedarf frühzeitig Hilfe bekommen. Die Stiftung wurde 2009 von den Fachverbänden für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie DGKJP, BAG und BKJPP gegründet. Gemeinsam mit ihnen arbeiten wir dafür, dass seelische Krankheiten kein Tabuthema mehr sind. Unsere Programmarbeit finanzieren wir komplett aus Spenden und Fördergeldern. www.achtung-kinderseele.org
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