Löschwasser sammeln, wo es gebraucht wird – Dezentrale Wasserreservoirs für effektiven Waldbrandschutz

Gießen. Wenn Wälder und Böden nach längeren Trockenperioden ausgetrocknet sind, kann aus einem kleinen Brand schnell eine ernste Gefahr werden.
Für die Feuerwehren stellt sich dann nicht nur die Frage, wie schnell sie vor Ort sind. Entscheidend ist auch, wie schnell ausreichend Löschwasser zur Verfügung steht. Gerade abseits von Ortschaften und gut erschlossenen Wegen kann das zum Problem werden.
Warum also nicht Wasser bereits vorher dort sammeln und speichern, wo es im Ernstfall gebraucht wird?
Dezentrale Wasserreservoirs könnten die bestehenden Löschwasserkonzepte von Kommunen und Feuerwehren ergänzen. Denkbar wären zusätzliche Speicher beispielsweise an Zufahrtswegen, Waldrändern oder anderen strategisch ausgewählten Stellen. Sie sollen weder Hydranten noch Löschwasserteiche oder größere Löschwasserbehälter ersetzen. Sie könnten aber zusätzliche Reserven schaffen und Transportwege verkürzen.
Besonders interessant ist dabei die Nutzung von Regenwasser. Statt die Behälter mit Trinkwasser zu befüllen, könnte ein Teil der Niederschläge direkt vor Ort aufgefangen und für trockene Zeiten gespeichert werden. Aus vielen einzelnen Sammelstellen könnte so nach und nach ein Netz dezentraler Wasserreserven entstehen.
Eine technische Möglichkeit dafür bietet der in Gießen entwickelte PLUVARA-Regensammler. Das System kommt ohne Dachanschluss sowie ohne Wasser- und Stromversorgung aus. Über eine Auffangfläche von 3,15 Quadratmetern wird Regen gesammelt, gefiltert und in einem IBC-Container mit 1.000 Liter Fassungsvermögen gespeichert. Theoretisch unendlich viele Behälter lassen sich miteinander kombinieren, sodass die Speichermenge dem jeweiligen Standort angepasst werden kann. Der Aufbau dieser Systeme geschieht am besten vor oder während der Regensaison, damit vor der Trockenperiode die Container gefüllt sind.
Für Wald- und Vegetationsflächen eröffnet das neue Möglichkeiten. Speicher könnten an geeigneten Punkten aufgestellt werden und sich über Niederschläge immer wieder zumindest teilweise selbst füllen. Das Wasser stünde anschließend vor Ort zur Verfügung – zur Bewässerung in Trockenzeiten oder, sofern dies mit den örtlichen Feuerwehren und zuständigen Stellen entsprechend geplant wurde, als zusätzliche Wasserreserve im Brandfall.
Gerade dieser doppelte Nutzen macht den Ansatz interessant. Denn lange bevor ein Waldbrand entsteht, leiden junge Bäume, Aufforstungen und andere Pflanzen unter Wassermangel. Das gespeicherte Regenwasser kann deshalb bereits zur Pflege solcher Flächen eingesetzt werden.
Ob und in welcher Größenordnung dezentrale Reservoirs für den Waldbrandschutz sinnvoll sind, hängt vom jeweiligen Gebiet ab. Zufahrtsmöglichkeiten, Brandrisiko, vorhandene Löschwasserstellen und die Anforderungen der örtlichen Feuerwehr müssen berücksichtigt werden. Die Planung sollte deshalb immer gemeinsam mit Feuerwehren, Forst, Kommunen und Grundstückseigentümern erfolgen.
Der grundsätzliche Gedanke ist jedoch naheliegend: Wenn Wasser in niederschlagsreichen Zeiten vor Ort gesammelt werden kann, steht zumindest eine zusätzliche Reserve zur Verfügung, wenn es über Wochen heiß und trocken ist. Statt Löschwasser im Ernstfall ausschließlich über größere Entfernungen heranzuschaffen, könnte ein Teil bereits dort lagern, wo er möglicherweise gebraucht wird.
Dezentrale Regenwasserspeicherung könnte damit künftig nicht nur bei der Bewässerung eine Rolle spielen, sondern auch ein zusätzlicher Baustein in der Vorsorge gegen Wald- und Vegetationsbrände werden.
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Über Pluvara: Gegründet wurde das Unternehmen 2025 von vier Unternehmern aus Gießen in Mittelhessen. Die Idee entstand – wie so oft – aus einem konkreten praktischen Bedarf. Als Betreiber der Stiftung “Lugredu”, die sich dem Erhalt und Ausbau von Streuobstwiesen widmet, standen die Gründer vor der Herausforderung, neu gepflanzte Bäume regelmäßig mit Wasser zu versorgen. Frischwasser musste aufwendig per Anhänger herangeschafft und in IBC-Container umgefüllt werden. Aus dieser Praxis heraus entstand die Idee eines autarken Regenwassersammelsystems – die Geburtsstunde von Pluvara.
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