Tech-Milliardäre wollen die Welt verändern

Neues Buch: Notizen zur Lage der Welt. Demokratie, Zukunft und Tech-Milliardäre
Die deutschen Milliardäre wollen zwar gute Geschäfte machen. Sie wollen aber nicht die Welt verändern. Dafür stehen bekannte Namen wie Dieter Schwarz (Lidl/Kaufland), Reinhold Würth (Würth-Gruppe) oder Klaus-Michael Kühne (Kühne + Nagel; Hapag-Lloyd), ehrbare Kaufleute mit Vermögen von jeweils rund 40 Mrd. US-Dollar. Die Tech-Milliardäre des Silicon Valley spielen mit Vermögenswerten im hohen dreistelligen Milliardenbereich in einer anderen Liga. Vor allem: Sie wollen die Welt verändern!
Seit dem Wahlsieg von Donald Trump prägen sie die Politik mit: die Big-Tech-Bosse des Silicon Valley wie Elon Musk (Tesla, SpaceX und weitere Engagements; 839 Mrd. US-Dollar), Jeff Bezos (Amazon; 224 Mrd. US-Dollar) oder Mark Zuckerberg (Meta/ Facebook, Instagram, WhatsApp; 222 Mrd. US-Dollar). Die Gründer und Investoren des Silicon Valley gelten als einflussreiche Akteure weit über die Tech-Welt hinaus. Viele von ihnen teilen ein libertäres, mit maximaler individueller Freiheit verbundenes Weltbild: Glaube an ungebändigte Märkte, Technologie-Utopie und Skepsis bis Ablehnung staatlicher Regulierung.
Seit mehr als einem Jahr ist Donald Trump erneut Präsident der USA. Mit atemberaubender Geschwindigkeit betreibt er seitdem einen radikalen Umbau des Landes, schleift Institutionen und Rechtsstaat, geht gegen Medien, Bildungseinrichtungen und Minderheiten vor und macht Kritiker verächtlich. Inspiration und tatkräftige Hilfe bekommt die Regierung Trump dabei von den Tech-Oligarchen aus dem Silicon Valley. Das Bild von Trumps Amtseinführung, als Elon Musk, Mark Zuckerberg, Jeff Bezos und andere Big-Tech-Größen in nächster Nähe zum neuen Präsidenten standen, ist längst zum Symbol für diese neue Ära geworden.
Zwei Schlüsselpersonen für diese beängstigende Nähe zwischen Tech-Milliardären und Politik sind Peter Thiel (PayPal, Palantir) und der US-Vizepräsident JD Vance. Mit Vance sitzt ein Mann im Machtzentrum der US-Politik, bei dem persönliche Netzwerke und Ideen des Silicon Valley zusammenfließen. Die Vorgeschichte: Vance hat früher für Thiels Investmentfirma gearbeitet. Thiel finanzierte Vance den Beginn seiner politischen Karriere. Ohne die Unterstützung des 1967 in Frankfurt am Main geborenen Peter Thiel wäre Vance wohl niemals Senator geworden und später Vizepräsident.
Peter Thiel agiert im Gegensatz zum exzentrisch auftretenden Elon Musk lieber geräuschlos im Hintergrund. Thiel schrieb 2009 in einem Essay, dass er nicht mehr daran glaubt, dass Freiheit und Demokratie miteinander vereinbar sind. Niedrige Steuern, schwache demokratische Staaten, die sich einen Unterbietungswettbewerb bei den Steuern liefern müssen, das gilt als sein Credo. Thiel gilt als Vordenker für die Tech-Milliardäre. Es wird spekuliert, dass der Milliardär Thiel längst an die Zeit nach Donald Trump denkt und dabei voll auf DJ Vance als Trump-Nachfolger setzt. Der Katholik Vance gilt für viele amerikanische Rechte als ein noch größerer Hoffnungsträger als Trump. Manche Rechte sehen in Vance schon den zukünftigen Herrscher eines postdemokratischen Amerikas.
Die Tech-Milliardäre versuchen über ihren signifikanten Einfluss auf Politik und Wirtschaft, Amerikas Rolle in der Welt neu zu erfinden. Thiel, Musk, Trump oder Vance: Sie alle glauben nicht mehr an die alte Bündnispolitik, die NATO, die Vereinten Nationen, internationale Zusammenarbeit und Freihandelsabkommen – also alles, was lange Zeit als Garant für Frieden und Stabilität in der Welt galt. Für sie ist die alte regelbasierte internationale Ordnung nichts Gutes, sondern ein Schritt in die falsche Richtung. Und die USA sind diesem Denken zufolge das einzige Land, das diese Entwicklung aufhalten kann.
Marc Andreessen, einer der wichtigsten Risikokapitalgeber im Silicon Valley, gilt als dessen “Chefideologe”. Andreessen hat maßgeblich die Verschmelzung der Tech-Welt mit der Trump-Regierung vorangetrieben. Nach der Wahl war er öfter in Trumps Hauptquartier in Mar-a-Lago und half bei der Regierungsbildung mit. Sein “Techno-optimistisches Manifest” von 2023 enthält Bekenntnisse wie dieses: “Wir glauben, es gibt kein materielles Problem, das nicht durch mehr Technologie gelöst werden kann.” In Andreessens Manifest kommen der unerschütterliche Glauben an freie Märkte, an einen entfesselten Kapitalismus und eine Art Vergötterung von Technologie zum Ausdruck.
Die Tech-Milliardäre setzen auf Künstliche Intelligenz (AI), Raumfahrt (SpaceX), Robotik und Gehirn-Computer-Schnittstellen (Neuralink), um den nächsten Schritt der menschlichen Entwicklung zu vollziehen. Ihr beängstigender Transhumanismus verfolgt das Ziel, die Grenzen des menschlichen Körpers und Geistes durch Technologie zu überwinden. Tech-Milliardäre sind besessen von Zukunftsvisionen eines Elon Musk, der den Mars besiedeln will. Das gilt auch für Peter Thiel, der den Alterungsprozess aufzuhalten versucht, oder für die KI-Entwickler Sam Altman und Ray Kurzweil, die ihre Gehirne in einen Supercomputer hochladen wollen.
Aber vor unkalkulierbaren Risiken in der Zukunft haben wohl auch Tech-Milliardäre Angst: So hat sich Mark Zuckerberg eine Bunkeranlage auf der Hawaii-Insel Kavai errichten lassen. Andere Tech-Milliardäre bevorzugen unterirdische Anwesen im vermeintlich sicheren Neuseeland.
Wird es uns bei der gegenwärtigen wirtschaftlichen und politischen Machtkonzentration der Tech-Milliardäre helfen, wenn wir dem Appell von Bundeskanzler Friedrich Merz folgen, Europa müsse die Sprache der Machtpolitik sprechen? Merz: “Als Demokratien sind wir Partner und Verbündete und nicht Untergebene.” Merz weiter: “Wir wollen Teil eines dynamischen, agilen Netzwerks von souveränen Staaten sein, die weiter an einer regelbasierten Ordnung festhalten wollen. Aus Erfahrung wissen wir, dass nur offene Märkte und freier Handel der richtige Weg sind für den Wohlstand und die Sicherheit der Nation.”
Eines ist klar: Es werden enorme Kraftanstrengungen von Deutschland, Europa und dem Netzwerk freiheitsliebender Staaten nötig sein, um in den nächsten Jahren den Oligopolen und Monopolen der Tech-Milliardäre und der aggressiven und imperialistischen Politik des US-Präsidenten wirkungsvoll entgegenzutreten.
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Von Dr. Thies Claussen sind bei Tredition folgende Bücher erschienen: “Notizen zur Lage der Welt. Demokratie, Zukunft und Tech-Milliardäre” (2026), “In unruhigen Zeiten. Lebensfragen und Denkanstöße” (2025), “Ludwig Erhard. Sein Leben für die Soziale Marktwirtschaft. Biografie und Ausblick” (2024), “Unser Leben. Auf der Suche nach einem Kompass” (2023), “Im Wandel der Zeit. Wo stehen wir? Wohin gehen wir?” (2022), “Denkanstöße – Acht Fragen unserer Zeit” (2021), “Unsere Zukunft nach Corona” (2020), “Zukunft beginnt heute” (2018) und “Unsere Zukunft” (2017) .
Der Autor war Ministerialdirigent im Bayerischen Wirtschaftsministerium und zuletzt Vizechef der LfA Förderbank Bayern.
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