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Was nach dem Feuer bleibt: Waldbrände im Fokus der internationalen Forschung

Bozen, 28. Oktober 2026. Waldbrände sind längst nicht nur im Alpenraum ein Thema. In Deutschland wurden bereits 2025 mehr als doppelt so viele Waldbrände registriert wie im Vorjahr.

BildDie Fragen, wie sich betroffene Wälder erholen und Menschen besser schützen lassen, gewinnen dadurch an Bedeutung. Internationale Studien liefern Erkenntnisse, die auch für Deutschland wichtige Anhaltspunkte bieten: Verbliebenes Holz fördert die Wiederbewaldung, überlebende Bäume können noch Jahre später absterben und geeignete Gebäudetechnik senkt die Rauchbelastung in Innenräumen. Wie sich diese Ergebnisse unter unterschiedlichen örtlichen Bedingungen nutzen lassen, diskutierten Forschende aus Italien, Deutschland, Kroatien und den USA am 22. und 23. Oktober an der Freien Universität Bozen. Anlass war die internationale Tagung “Fire in the Alps -Forest Fire Ecology and Restoration Strategies in Mountain Regions”.

“Es wird wärmer und phasenweise trockener. Damit vergrößert sich das Zeitfenster, in dem die Bedingungen für einen Brand günstig sind”, sagt Camilla Wellstein, Professorin für Vegetationsökologie an der Freien Universität Bozen und Organisatorin der Tagung. Welche Folgen große Waldbrände haben können, zeigen sie und ihr Kollege Gianmarco Tavilla von der Freien Universität Bozen anhand zweier Brände aus dem Jahr 2025 in Südtirol. Insgesamt verbrannten 237 Hektar, überwiegend Waldkiefernwälder. Das entspricht rund einem Fünftel der gesamten Waldbrandfläche, die in Südtirol zwischen 1977 und 2025 erfasst wurde. Brandfolgen zeigen sich oft noch Jahre später. Laut Stefan Mayr, Professor für Pflanzenhydraulik an der Universität Innsbruck, schädigt die Hitze von Bränden langfristig das Wasserleitungssystem überlebender Bäume. Manche sterben deshalb erst lange nach dem Brand ab. Auch der Boden verändert sich: Max Nooijen von der Freien Universität Bozen erläutert, dass Brände das Mikroklima, den Wasserhaushalt und die Bodenbedingungen deutlich verändern. Auf den Brandflächen sind die Böden wärmer und können Schwankungen im Wasserhaushalt schlechter ausgleichen.

Natürliche Strukturen stärken die Regeneration

Wie gut sich ein Wald nach einem Brand erholt, hängt unter anderem davon ab, welche natürlichen Strukturen auf der Fläche erhalten bleiben. Davide Ascoli, Professor für Waldbrandmanagement an der Universität Turin, beschrieb am Beispiel der Rotbuche, wie wichtig die Bedingungen eines Brandes sind: Bei langen Brandintervallen und geringer bis mittlerer Intensität kann die Buche bestehen bleiben und sich aus Samen überlebender Bäume oder durch neue Triebe regenerieren. Die entstandenen Lücken bieten jungen Bäumen Platz zum Wachsen. Wie wichtig es ist, abgestorbenes Holz nicht vorschnell zu entfernen, zeigen auch Untersuchungen aus Nordostdeutschland. Thilo Heinken, Privatdozent an der Universität Potsdam, beobachtete, dass sich geräumte Kiefernwaldflächen langsamer wiederbesiedelten. Flavio Taccaliti von der Universität Padua stellte zudem fest, dass junge Pflanzen nahe erhaltener biologischer Strukturen im ersten Jahr besser wuchsen und häufiger überlebten als an Vergleichsstellen ohne solche Strukturen. Für die Erholung reicht es allerdings nicht, dass Bäume wieder wachsen: Entscheidend ist, wie vielfältig der neue Wald wird. Alessandro Paletto, Forscher am Forschungszentrum für Wald und Holz des italienischen Forschungsrats CREA in Trient, beschrieb den Wandel in Italien hin zu aktiven Wiederherstellungsmaßnahmen. Brandanfällige Kiefernmonokulturen sollen schrittweise artenreichen Laubmischwäldern weichen, damit vielfältigere und weniger brandanfällige Wälder entstehen.

Schutz für Bevölkerung und Einsatzkräfte

Waldbrände gefährden nicht nur Ökosysteme, sondern auch Menschen. Andrea Gasparella, Professor für Gebäudetechnik an der Universität Bozen, hob hervor, wie schädlich die im Rauch enthaltenen Feinstaubpartikel sind. Da Menschen in Gebäuden Schutz suchen, hängt ihre tatsächliche Belastung maßgeblich davon ab, wie gut die Innenräume vor dem Rauch geschützt sind. Geeignete Lüftungsanlagen mit HEPA-H13-Filtern können die Belastung in Innenräumen laut Filippo Busato, Ingenieur und Experte für Lüftungstechnik, um mehr als 90 Prozent senken. Für kleine Alpengemeinden regte er an, vorsorglich in jedem Dorf einen Schutzraum mit sauberer Luft einzurichten. Die Tagung befasste sich auch mit der Frage, wie Feuerwehrkräfte bei einem Brand schneller einen Überblick gewinnen können. Emanuele Gissi von der italienischen Feuerwehr stellte vor, wie Drohnenwärmebilder in gemeinsame Einsatzkarten eingebunden werden. Die Feuerwehr testet zudem Modelle, die Feuer- und Rauchausbreitung simulieren. Für Echtzeiteinsätze sind die Modelle bislang zu langsam. Gissi plädierte deshalb für eine engere Zusammenarbeit von Forschung und Einsatzkräften, um praxistaugliche Lösungen weiterzuentwickeln.

Die Tagung machte deutlich, dass Waldbrandfolgen je nach Landschaft, Brandintensität und Vorgeschichte eines Waldes unterschiedlich ausfallen. Nicht alle Erkenntnisse sind eins zu eins auf alle Wälder übertragbar. Der internationale Austausch zeigt jedoch gemeinsame Muster und liefert wichtige Anhaltspunkte für die Anpassung an veränderte Klimabedingungen.

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