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40 Jahre Ottawa-Charta: Fundament und Zukunft der modernen Gesundheitsförderung

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40 Jahre Ottawa-Charta: Fundament und Zukunft der modernen Gesundheitsförderung

Mit der Verabschiedung der Ottawa-Charta durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am 21. November 1986 in Kanada wurde ein internationaler Meilenstein gesetzt. Anlässlich ihres 40-jährigen Jubiläums im Jahr 2026 zeigt sich die ungebrochene Relevanz dieses Leitdokuments, das die theoretische Basis und die praktische Ausrichtung der modernen Gesundheitsförderung bis heute maßgeblich prägt.

Das neue Paradigma: Gesundheit als dynamische Ressource

Die Ottawa-Charta markierte einen fundamentalen Paradigmenwechsel, indem sie das rein biomedizinische Defizitmodell (Gesundheit als bloße Abwesenheit von Krankheit) überwand. Sie etablierte ein salutogenetisches, ganzheitliches Verständnis: Gesundheit wird als positives Konzept und als wesentliche Ressource des alltäglichen Lebens definiert. Das primäre Ziel ist das “Empowerment” – die Befähigung der Bevölkerung, ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit und deren Determinanten zu erlangen.

Der Setting-Ansatz: Lebenswelten im Fokus

Ein Kernbeitrag der Charta ist die Begründung des Lebenswelt- oder Setting-Ansatzes. Die Prämisse lautet, dass Gesundheit in den alltäglichen Kontexten entsteht und gelebt wird – dort, wo Menschen lernen, arbeiten, spielen und lieben. Dieser strukturelle Zugang bildet bis heute das Fundament der Arbeit des Berufsverbandes der Präventologen e.V.. Er erfordert eine konsequente Ausrichtung an den realen Lebenswelten der Menschen, die Stärkung individueller und kollektiver Ressourcen, aktive Partizipation sowie das übergeordnete Ziel, gesundheitliche Chancengerechtigkeit (Health Equity) strukturell zu verankern.

Die fünf zentralen Handlungsfelder

Zur praktischen Umsetzung dieses Leitbildes definiert die Charta fünf strategische Handlungsfelder, die das Verhalten des Einzelnen (Verhaltensprävention) mit der Gestaltung der Umwelt (Verhältnisprävention) verknüpfen:

* Entwicklung einer gesundheitsfördernden Gesamtpolitik: Integration von Gesundheitsaspekten in alle Politikbereiche (_Health in All Policies_).
* Schaffung gesundheitsfördernder Lebenswelten: Ökologische, soziale und strukturelle Gestaltung von Alltagsumgebungen.
* Unterstützung gesundheitsorientierter Gemeinschaftsaktionen: Stärkung der gesellschaftlichen Partizipation und kommunalen Selbsthilfe.
* Entwicklung persönlicher Kompetenzen: Förderung von Lebenskompetenzen und Gesundheitskompetenz (_Health Literacy_).
* Neuorientierung der Gesundheitsdienste: Wandel von rein kurativen Systemen hin zu einer integrierten, präventionsorientierten Versorgung.

Eine Bilanz nach vier Jahrzehnten: Erfolge, Defizite und Transformationsbedarf

Nach 40 Jahren zieht die Fachwelt eine gemischte Bilanz:
Globaler Kompass: Weltweit fungiert die Charta unverändert als ethischer und fachlicher Orientierungsrahmen für Präventionsstrategien und den Abbau gesundheitlicher Ungleichheit.

* Strukturelle Defizite in Deutschland: Im internationalen Vergleich betonen Experten im Jubiläumsjahr 2026 eine fortwährende strukturelle und finanzielle Unterentwicklung der Gesundheitsförderung im deutschen Gesundheitssystem. Trotz gesetzlicher Initiativen wie dem Präventionsgesetz dominieren nach wie vor kurative Strukturen; die Verhältnisprävention wird institutionell oft unzureichend prioritär behandelt.
* Herausforderungen der Moderne: Die globalen Krisen des 21. Jahrhunderts erfordern eine Weiterentwicklung des klassischen Charta-Kontexts. Megatrends wie die digitale Transformation (und die damit verbundene digitale gesundheitliche Kluft), die Verschärfung sozialer Ungleichheiten sowie die Klimakrise verlangen eine Erweiterung der Ansätze im Sinne der _Planetary Health_ (Planetare Gesundheit) – denn menschliche Gesundheit ist untrennbar mit intakten ökologischen Systemen verbunden.

Dieser Impuls wurde von unserer Präventologin, Vorstandsvorsitzenden und Dozentin Dorothée Remmler-Bellen verfasst.

Nettetal, NRW

Ihre Schwerpunkte: Präventologin, Entwicklerin GLK – Gesundheit und Lebenskompetenz®, Hochschullehrerin, Mathematikerin, Moderatorin,

https://www.praeventologe.de/mitglieder-deutschland/nordrhein-westfalen/remmler-bellen-dorothee?highlight=WyJkb3JvdGhlZSJd

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Frau Denise Iwanek
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Präventologinnen und Präventologen sind Experten der Prävention und Gesundheitsförderung. Sie tragen kompetent und wirksam zur Gesundheitsförderung jedes Einzelnen bei. Zum Berufsverband der Präventologen e.V. gehören Menschen, die ein gesundes Leben in Deutschland ermöglichen und die dafür nötigen Voraussetzungen schaffen oder verbessern wollen. Zum Berufsverband gehören geprüfte Präventologinnen und Präventologen, Studierende des Fernstudienganges, Angehörige der unterschiedlichen Gesundheits- und Sozialberufe, Unternehmen der Gesundheitswirtschaft sowie interessierte Einzelpersonen. Der Verband versteht sich als lernende Gemeinschaft, die ihr Wirken kontinuierlich reflektiert, um stetige Verbesserungen zu erreichen.

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