Führung, Leadership & Teilzeit – Warum Verantwortung Menschlichkeit braucht

Leadership-Speakerin Sandra Weckert über Teilzeit, Fachkräftemangel, Verantwortung, Menschlichkeit und Führung in Politik und Gesellschaft.
Was die Debatte um Teilzeitarbeit über Führung, Macht, Respekt und Verantwortung in Politik und Gesellschaft offenbart
Die Debatte um den jüngsten Vorstoß aus dem Wirtschaftsflügel der CDU, den Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit abschaffen zu wollen, hat mich tief irritiert. Nicht wegen ihrer Lautstärke. Sondern wegen der Selbstverständlichkeit, mit der hier ernsthaft darüber gesprochen wird, ein bestehendes Recht infrage zu stellen.
Als Leadership-Speakerin, Unternehmerin und Kommunalpolitikerin erlebe ich täglich, wie eng Führung, Verantwortung und Menschlichkeit miteinander verbunden sind. Und genau hier offenbart diese Debatte eine gefährliche Schieflage.
Ich bin eine von vielen, über die in dieser Diskussion gesprochen wird und gleichzeitig eine, deren Realität darin kaum vorkommt.
Seit über zwei Jahren pflege ich meine hochbetagten Eltern. Pflegegrad 3 und Pflegegrad 4. Rund um die Uhr. Verantwortung, die sich nicht delegieren, verschieben oder effizient “organisieren” lässt. Wer Pflege kennt, weiß: Das ist kein Nebenjob. Es ist eine Lebensrealität, die permanente Präsenz und Entscheidungskraft verlangt.
Gleichzeitig arbeite ich ehrenamtlich mit Kindern und Jugendlichen, bin Kreistagsmitglied, für die CDU angetreten und gewählt worden, und habe mein Unternehmen bewusst zurückgestellt, um dieser Verantwortung gerecht zu werden. Nicht, weil ich weniger leisten will. Sondern weil Führung immer eine Frage von Prioritäten und Verantwortung ist.
Teilzeit ist kein Zeichen von Schwäche – sondern von Verantwortung
Viele Menschen arbeiten nicht in Teilzeit, weil sie weniger Anerkennung verdienen oder weniger leisten wollen. Sie arbeiten in Teilzeit, weil sie Verantwortung tragen: für Kinder, für pflegebedürftige Angehörige, für gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Ich würde liebend gern mehr arbeiten.
Ich würde mein Unternehmen sofort wieder hochfahren, wenn mein Leben es zuließe.
Gleichzeitig lässt sich Verantwortung nicht halbieren, nur weil politische Konzepte das verlangen.
Wer das Recht auf Teilzeit infrage stellt, stellt nicht Arbeitszeitmodelle infrage.
Er stellt Respekt, Anerkennung und Menschlichkeit infrage.
Fachkräftemangel ist eine Führungsfrage – keine Arbeitszeitfrage
Der Fachkräftemangel ist real. Gleichzeitig ist er kein Beleg mangelnder Arbeitsbereitschaft. Er ist Ausdruck jahrelanger politischer und gesellschaftlicher Versäumnisse bei:
* Vereinbarkeit von Beruf und Familie
* Pflegeinfrastruktur
* Bildung und Qualifizierung
* Anerkennung von Care-Arbeit
* produktiven Rahmenbedingungen für Leistung
Führung zeigt sich nicht darin, Rechte abzubauen, sondern darin, Strukturen zu schaffen, in denen Menschen leistungsfähig bleiben.
Produktivität entsteht auch nicht durch Macht oder Druck, sondern durch Respekt, klare Entscheidungen und verlässliche Autorität.
Macht, Entscheidung und Verantwortung gehören zusammen
Mich irritiert an dieser Debatte weniger der einzelne Vorschlag als das dahinterliegende Führungsverständnis. Über Menschen wird gesprochen, ohne ihre Realität mitzudenken. Über Leistung wird entschieden, ohne Verantwortung mitzuerfassen, die jenseits klassischer Erwerbsarbeit täglich geleistet wird.
Ich bin für die CDU angetreten, weil ich an Verantwortung, Gestaltung und demokratische Entscheidungsprozesse glaube. Gleichzeitig markiert diese Debatte eine klare Grenze:
Eine Politik, die Rechte abbauen will, statt Verantwortung zu organisieren, verliert ihre Autorität.
Teilzeit ist für viele kein Komfortmodell, sondern der letzte verbliebene Spielraum, um Arbeit, Pflege, Familie und gesellschaftliches Engagement miteinander zu vereinbaren.
Führung beginnt mit Zuhören – und mit Haltung
Ich schreibe diesen Text nicht aus persönlicher Betroffenheit, sondern aus einer tiefen Überzeugung heraus, dass Führung ohne Menschlichkeit ihre Legitimation verliert, Entscheidung ohne Respekt Vertrauen zerstört und Macht ohne Verantwortung in die Sackgasse führt.
Viele Menschen in diesem Land sind bereit, Verantwortung zu tragen – beruflich, familiär, gesellschaftlich. Gleichzeitig stellt sich zunehmend die Frage, in welchen politischen Räumen diese Verantwortung noch gewollt ist.
Zur Autorin
Sandra Weckert ist Leadership-Speakerin, Keynote-Rednerin, Unternehmerin und Kommunalpolitikerin aus Mecklenburg-Vorpommern.
In ihren Vorträgen und Keynotes zu Führung, Leadership, Macht, Entscheidung, Respekt, Autorität und Verantwortung arbeitet sie an der Schnittstelle von Politik, Wirtschaft und gesellschaftlicher Realität. Ihr Fokus liegt auf Anerkennung, Menschlichkeit und zukunftsfähiger Führungskultur.
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Frau Sandra Weckert
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Sandra Weckert ist eine der außergewöhnlichsten Rednerinnen Deutschlands, wenn es um Zukunftsfragen von Ausbildung, Jugend und sozialer Verantwortung geht. Sie erlernte ihr Handwerkszeug an Neuköllner Schulen, in der Arbeit mit Häftlingen in der JVA Moabit oder im Auftrag des Auswärtigen Amtes in den Randbezirken der Millionenstadt Casablanca.
Heute ist sie mit ihrem Projekt “48 Könige” deutschlandweit bekannt – einer bildgewaltigen und tiefgreifenden Initiative, bei der Jugendliche mit Biografien abseits der Norm auf der Bühne stehen, lernen, performen und Veränderung leben. Ihre Erfahrungen aus über 20 Jahren Praxis in sozialen Brennpunkten kombiniert sie mit einem mitreißenden Bühnenauftritt, messerscharfer Analyse und emotionaler Tiefe.
Sandra Weckert ist Rednerin, Mentorin und Visionärin mit Haltung – authentisch, unangepasst, leidenschaftlich. Sie spricht dort, wo Wandel notwendig ist: in Unternehmen, Schulen, Ministerien und auf großen Bühnen. Ihr Thema: Wie wir Jugendlichen auf Augenhöhe begegnen und ihr Commitment durch echte Chancen gewinnen.
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