Wer seine Arbeit liebt, bekommt mehr davon: Studie zeigt einen Trugschluss vieler Führungskräfte

Neue Studie aus den USA zeigt, wie Vorgesetzte intrinsische Motivation mit unbegrenzter Kapazität verwechseln.
Vlotho, 28. September 2026. Wer eine Aufgabe gern erledigt, bekommt beim nächsten Mal die nächste dazu. Zu diesem Ergebnis kommen Sangah Bae (Northeastern University) und Kaitlin Woolley (Cornell University) in einer aktuellen Studie in der Fachzeitschrift Organization Science. In einem Laborexperiment mit 102 Kleingruppen wählten 74 Prozent der Führungskräfte für eine Zusatzaufgabe die Person aus, die sie für intrinsisch motivierter hielten. Weil diese Zusatzaufgabe von der eigentlichen, prämierten Aufgabe ablenkte, erreichten am Ende nur 31 Prozent der ausgewählten Personen noch die Leistungsprämie.
Wie es dazu kommt, erklären die Forscherinnen mit einer Vereinfachung, der Führungskräfte regelmäßig unterliegen. Sie gehen davon aus, dass jemand, der die Hauptaufgabe gern erledigt, auch an zusätzlicher Arbeit Freude findet, und dass diese Freude sogar vor Erschöpfung schützt. In einer weiteren Studie sollten Führungskräfte auf einer Skala von 1 bis 7 einschätzen, wie viel Freude und wie viel Erschöpfungsrisiko eine Zusatzaufgabe für eine intrinsisch motivierte im Vergleich zu einer weniger motivierten Person mit sich bringt. Erwartete Freude: 4,9 gegenüber 2,5. Erwartetes Erschöpfungsrisiko: 3,0 gegenüber 4,9. In einer sechstägigen Folgestudie mit 120 Führungskräften fiel die Wahl in 69 Prozent von 658 dokumentierten Entscheidungen auf die als motivierter eingeschätzte Person.
Was das für die Betroffenen bedeuten könnte, zeigt eine Befragung mit 798 Teilnehmenden. Bei ungleicher Aufgabenverteilung sank die erwartete Arbeitszufriedenheit von 5,6 auf 4,5 auf derselben Skala, während sie bei weniger motivierten Kolleginnen und Kollegen nahezu unverändert blieb. Erhoben wurde hier ein angenommenes Szenario, kein tatsächlicher Verlauf im Arbeitsalltag, die Richtung des Befunds ist aber eindeutig.
Zwei weitere Experimente zeigen, wie sich die Schieflage abschwächen lässt. Bekamen Führungskräfte mehrere Zusatzaufgaben auf einmal vorgelegt statt einzeln, sank der Anteil, der die intrinsisch motivierte Person auswählte, von 83 auf 62 Prozent. Lasen 199 Führungskräfte vorab einen kurzen Fachartikel über das Risiko, dass gerade begeisterte Beschäftigte ausbrennen können, sank die Quote von 77 auf 43 Prozent.
»Führungskräfte wollen niemanden bestrafen, wenn sie motivierten Mitarbeitenden mehr Arbeit geben. Genau das macht den Effekt so hartnäckig«, erklärt Uli Funke, Gründer der Akademie für angewandte Neurowissenschaft A|F|A|N. »Wer versteht, wie das Gehirn Motivation und Erschöpfung verarbeitet, kann diesen blinden Fleck in der eigenen Führung erkennen, bevor er zur stillen Belastung für die engagiertesten Köpfe im Team wird.«
Genau mit solchen blinden Flecken im Führungsalltag beschäftigt sich die BRAIN FOR BUSINESS® Weiterbildung. Sie verbindet Neurowissenschaft, Führung und Weiterbildung zu einem Format für Führungskräfteentwicklung, das zeigt, wie Wahrnehmung und Zuschreibung Entscheidungen lenken. Wer den eigenen Blick auf Motivation hinterfragt, übt damit auch ein Stück Selbstführung, denn die Fehleinschätzung sitzt zuerst bei der Führungskraft selbst, nicht bei der Person, der die Zusatzarbeit zufällt.
Wie intrinsische Motivation grundsätzlich entsteht und warum sie sich nicht anordnen lässt, beschreibt das Fachportal Haufe in einem Überblick zur intrinsischen Motivation am Arbeitsplatz. Demnach wächst sie vor allem dort, wo Beschäftigte Autonomie erleben, ihre Kompetenzen einsetzen können und sich sozial eingebunden fühlen, Bedingungen, die eine unbedacht verteilte Zusatzaufgabe genau dann untergräbt, wenn niemand vorher nachfragt.
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Die Akademie für angewandte Neurowissenschaft A|F|A|N (AFAN Solutions GmbH) vermittelt seit 2021 neurowissenschaftlich fundiertes Wissen für Menschen in Führung, Training, Coaching und Organisationsentwicklung. Gründer Uli Funke hat mit BRAIN FOR BUSINESS® eine praxisnahe Weiterbildung entwickelt, die neurobiologische Erkenntnisse direkt in den beruflichen Alltag überträgt. Gemeinsam mit Prof. Dr. Bruno Haller bietet A|F|A|N außerdem die Weiterbildung zum NEURO IMPACT COACH® an. Weitere Informationen: afan.academy
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